Habe ich ein gestörtes Essverhalten?

17.12.2021

Wahrscheinlich hast Du mitbekommen, dass ich im Podcast von Bewegungskind interviewt wurde. Dort wurde mir unter anderem die Frage gestellt, „Wann fängt gestörtes Essverhalten an?“ In dem heutigen Artikel möchte auf dieses Thema detaillierter eingehen.

Von meinem Interview gibt es auch ein Video auf YouTube. Dies verlinke ich Dir unter diesem Absatz, dann kannst Du es Dir bei Interesse anschauen. (Ps. Die Frage zu diesem Thema beginnt nach 19 Minuten und 45 Sekunden😉)

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Was ist ein „normales“ Essverhalten?

Zuerst gilt es die Frage zu beantworten: „Was ist ein normales Essverhalten?“ Nachdem diese Frage beantwortet ist, widmen wir uns der Frage: „Wann fängt ein gestörtes Essverhalten an?“

Für mich ist intuitives Essen das normale Essverhalten. Doch was genau ist intuitiv? Umgangssprachlich könnte man sagen, intuitiv ist eine Entscheidung „aus dem Bauch heraus“. Bezogen auf das Essen würde, das so viel bedeuten, wie:

„Dein Körper signalisiert Dir wann, was und wie viel Nahrung Du benötigst.“

Orientiere Dich an den nachfolgenden Fragen, um eine Idee vom intuitiven Essverhalten zu bekommen.

  • „Wann soll ich essen?“  Wenn Du Hunger hast.
  • „Was soll ich Essen?“ Das, was Dein Körper benötigt, also worauf Du Hunger hast.
  • „Wie viel soll ich essen?“ Bis Du satt bist.

Dein Körper zeigt Dir auf einer unterbewussten Ebene an, was er benötigt, um bestmöglich zu funktionieren. Somit ist es wichtig diese Verbindung zu Deiner Intuition wieder herzustellen, falls Du sie verloren hast. Wenn Du das isst, was Dir Dein Körper signalisiert und verlangt, dann versorgst Du Deinen Körper mit allem, was er benötigt. Dein Körper weiß besser was er benötigt, als jeder Ernährungsplan. Wenn Du intuitiv isst, dann isst Du nicht aufgrund von Emotionen, Gedanken oder anderen äußeren Umständen.

Dein Körper ist jedoch leicht zu täuschen. Hierfür möchte ich Dir als Beispiel von einer Studie erzählen. An dieser nahmen 54 Personen teil. Den Teilnehmern wurde erzählt, sie sollen den Geschmack einer Suppe beurteilen. In der Studie ging es jedoch darum, wieviel Suppe insgesamt gegessen wurde.

Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen zu je 27 Personen aufgeteilt, die beide so viel Suppe essen durften, wie sie wollten. Die erste Gruppe musste sich selbst von der Suppe nachnehmen. Bei der zweiten Gruppe wurde die Suppe durch einen unsichtbaren Schlauch, der mit dem Teller verbunden war, nachgefüllt. Das Ergebnis war, dass die 27 Teilnehmer mit dem Schlauch im Teller, durchschnittlich 73 Prozent mehr Suppe aßen als die anderen 27 Teilnehmer.

Wie Du siehst, können kleine Dinge schon zu großen Veränderungen im Ergebnis führen. Genau so können auch Deine Emotionen Einfluss auf Dein Essverhalten haben.

Ist jedes Essverhalten, was vom intuitiven Essen abweicht, ein gestörtes Essverhalten?

Natürlich ist nicht jede kleinste Abweichung vom intuitiven Essen ein gestörtes Essverhalten.

Die intuitive Ernährung ist ein Ideal und kein Zwang, Gesetz oder eine Möglichkeit, Dein Perfektionismus auszuleben. Nur mal am Rande Perfektionismus ist per Definition sowieso nicht zu erreichen. Daher kannst Du ihn Dir sparen, das macht das Leben leichter. Die Welt in schwarz und weiß einzuteilen, gibt Dir vielleicht ein Gefühl von Sicherheit, schränkt Dich jedoch gleichzeitig ein und nimmt Dir somit Freiheit.

Vielleicht schwirren in Deinem Kopf noch ein paar Fragen wie zum Beispiel: „Ist es intuitiv, wenn ich mir abends schon mein Essen für den nächsten Tag vorbereite?“ Wahrscheinlich sagst Du jetzt: „Ich soll ja erst dann essen, wenn ich Hunger habe und dann das, worauf ich Hunger habe oder?“ Das stimmt natürlich. Allerdings ist es vollkommen in Ordnung, Dir abends schon etwas vorzubereiten, damit Du länger schlafen kannst und trotzdem pünktlich zur Arbeit, Schule oder Uni kommst.

Du könntest Dir beispielsweise zwei verschiedene Sachen mitnehmen, einmal etwas süßes und dann noch etwas salziges. Durch diese zwei Optionen kannst Du dann essen, worauf Du Hunger hast. Zusätzlich solltest Du auch auf Dein Hungergefühl achten. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass Du das, was Du Dir mitgenommen hast, nicht aufessen musst. Dies soll Dir einen kleinen Einblick in das intuitive Essen geben. Es ist keine Anleitung für jede individuelle Situation.

Wann beginnt ein gestörtes Essverhalten?

Dein Essverhalten ist gestört, wenn Du aufgrund von Emotionen, wie zum Beispiel Stress, Einsamkeit, Langeweile, Trauer, Wut, Ärger oder auch aus reinem Vergnügen isst oder Dir aus diesen Gründen das Essen verbietest. Oftmals fängt es auch nur mit Gedanken an. Das heißt, Du fängst an, Dich beispielsweise ständig mit Essen und dem Abnehmen zu beschäftigen. Es kann auch sein, dass Du beginnst, Dein Essen in gut und schlecht zu kategorisieren. Vielleicht beginnst Du auch eine klassische Diät und beschränkst Deine Kalorien und lebst nach Ernährungsplänen.

Das Wort Diät kommt vom altgriechisch δίαιτα díaita, früher war damit die „Lebensführung“/Lebensweise“ gemeint. Somit ging es um etwas, dass man in seinem Leben dauerhaft integrieren sollte. Im heutigen Sinne ist mit Diät meist eine kurzfristige Ernährungsumstellung zur Gewichtsreduktion gemeint. Diese kurzfristige Ernährungsumstellung ist für viele ein erster Schritt in einen Teufelskreis. Ich bezeichne dauerhaftes Diäten mit Kalorienrestriktionen und Ernährungsplänen schon als ein gestörtes Essverhalten.

Was sind konkrete Anzeichen für ein gestörtes Essverhalten?

  • Dein Essverhalten richtet sich nach strengen Regeln wie zum Beispiel festen Zeiten, starre Essenspläne oder exakte Kalorienvorgaben.
  • Das Essen ist ein wichtiges Mittel zur Stressbewältigung oder wird zur Problemlösung genutzt.
  • Dein Essverhalten ist an Dein Gewicht gekoppelt. Selbst bei einer geringen Zunahme steuerst du mit Maßnahmen wie fasten oder einer Kalorien Restriktion gegen die Zunahme an.
  • Du isst häufig über Deinen Sättigungspunkt hinaus. Vielleicht warst du den ganzen Tag über diszipliniert und abends auf dem Sofa überkommt Dich der Heißhunger und Du isst einfach mehr, als Dein Körper benötigen würde.
  • Dein Essen ist für eine Phase mehrerer Wochen extrem strukturiert und dann für die nächsten Wochen sehr chaotisch (Mahlzeiten fallen aus, Mahlzeiten werden vergessen, Du isst mehr als Dein Körper benötigt).
  • Die Essensmenge hängt von Deiner Stimmung ab. Das heißt Du isst weniger oder mehr, wenn Du traurig, wütend, enttäuscht, freudig oder euphorisch bist.

Was kann passieren, wenn Du nichts machst?

Natürlich kann sich aus einem gestörten Essverhalten eine Essstörung entwickeln. Das Essverhalten ist aus einem bestimmten Grund aufgetreten. Solange dieser Grund besteht, wird es wahrscheinlich schlechter und nicht besser werden. Daher ist es wichtig, so früh wie möglich an seinen Problemen zu arbeiten, um bestenfalls nicht in eine Essstörung zu rutschen.

Sofern zu dem bereits beschriebenen Essverhalten auch noch eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers kommt, ist die Gefahr, in eine Essstörung zu rutschen, sehr hoch. Dies äußert sich häufig darin, dass die Aufmerksamkeit auf bestimmte Körperregionen gelegt wird, wie zum Beispiel Taille, Hüfte, Bauch oder Oberschenkel. Für einen selbst wirken diese Bereiche dann oft unförmig oder zu groß. Obwohl jeder Außenstehende dies komplett anders sieht. Dies ist ein Anzeichen, dass die Selbsteinschätzung nicht mehr korrekt ist.

Ein weiteres Anzeichen, dass Du auf dem Weg in eine Essstörung bist, ist, wenn die Zahl auf der Waage über dein Wohlbefinden bestimmt. Auch wenn Du nach Konflikten oder in stressigen Zeiten zu Selbstzweifeln an Deinem Körper neigst, ist dies ein Indikator. Dies äußert sich vielleicht auch darin, dass Du Deinen Körper kritisch beobachtest und kontrollierst. Hierzu zählen zum Beispiel: mehrmals tägliches Wiegen, das Abmessen von Armen, Beinen oder Taille. (Bist Du Dir unsicher, ob Du an einer Essstörung leidest?)

Wie bekomme ich ein gestörtes Essverhalten in den Griff?

Du kannst Probleme nicht auf der Ebene lösen, auf der Sie entstanden sind

Albert Einstein

Das heißt für Dich, die Ursachen und Auslöser für Dein gestörtes Essverhalten zu identifizieren und aufzulösen. Daher handelt es sich bei einem gestörtem Essverhalten auch nicht um eine schlechte Angewohnheit, sondern immer auch um einen Ausdruck seelischen Leidens. Was das für ein gestörtes Essverhalten bedeutet? Dies bedeutet also, dass du mit einem Ernährungsplan nicht Deine emotionalen Themen auflösen und Deine Seele stärken kannst. Dies wäre der Versuch, das Problem auf derselben Ebene zu lösen.

Der Weg aus einem gestörten Essverhalten ist eine Reise zu Deinem Wahren selbst. Dieses Essverhalten zeigt Dir an, dass Du irgendwo in Deinem Leben von Deinem Pfad abgekommen bist. Wenn Du den Weg weiter gehst wie bisher, wird es wahrscheinlich nicht besser. Wenn Du bereit bist, neue Wege zu gehen, wirst Du auch neue und andere Erfahrungen machen. Sobald Du Deinen Weg gefunden hast, wirst Du Dein Essverhalten nicht mehr brauchen.

 

Alles Liebe.

Deine Janina

„Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“

Georg Christoph Lichtenberg  

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