Binge-Eating – Ernsthafte Erkrankung oder kleines Problemchen?

06.04.2022

Die Binge-Eating-Störung zählt ebenfalls zu den Essstörungen und ist sogar die am häufigsten vorkommende. Bei dieser Form der Essstörung leiden die Betroffenen unter regelmäßigen Fressattacken. Das heißt, sie nehmen in kurzer Zeit große Nahrungsmengen zu sich. Dabei haben sie das Gefühl, komplett die Kontrolle über ihr Essverhalten zu verlieren. Leidest Du an abendlichen Fressattacken? Hattest Du schon mal einen Essanfall? Dann kann Dir der Artikel sicherlich weiterhelfen.

Darüber hinaus möchte ich in dem heutigen Artikel unter anderem näher auf die folgenden Fragen eingehen: Was ist Binge-Eating und was sind typische Symptome? Was sind die Unterschiede zur Bulimie? Wie erkennt man Binge-Eating? Wie kann ich es stoppen oder überwinden? Kann mir ein Ernährungsplan helfen?

Was ist Binge-Eating?

Es ist eine Form der Essstörung und damit eine ernst zu nehmende Erkrankung. Diese solltest Du nicht auf die leichte Schulter nehmen und Dir Hilfe suchen. Die typischen Symptome sind wiederkehrende und regelmäßige Essanfälle. Während dieser Essattacken essen Betroffene in kurzer Zeit große Mengen wie in einem Rausch. Das heißt, sie verlieren teilweise vollkommen die Kontrolle über das, was sie essen. Dies kann so weit gehen, dass sie sich teilweise nach dem Essanfall nicht mehr an das ganze Essen erinnern können.

Nach diesen Essattacken kommt es anders als bei der Bulimie, jedoch nicht zu kompensierenden Maßnahmen. Was wären kompensierende Maßnahmen? Das wäre zum Beispiel: erbrechen, eine extrem lange Sporteinheit oder die Einnahme von Abführ- oder Entwässerungsmitteln. Da es zu keiner Kompensation kommt, sind Betroffene häufig übergewichtig oder sogar fettleibig. Das Essen und Übergewicht sind in diesem Fall jedoch Symptome, die ursächliche Krankheit ist eine psychische. Allerdings kommt Übergewicht nicht immer vor, es gibt auch Normalgewichtige, die unter der Binge-Eating-Störung leiden.

Leidest Du an Binge-Eating? So kannst Du es erkennen.

Bei der Diagnose für Binge-Eating gelten als wesentliches Kriterium die regelmäßigen Essattacken, bei denen mit einem Gefühl des Kontrollverlusts in kurzer Zeit eine sehr große Menge an Lebensmitteln konsumiert wird. Nach dieser Essattacken wird keine kompensierende Maßnahme ergriffen. Damit diese Diagnose gestellt wird, ist je nach Quelle ein Zeitrahmen von drei bis sechs Monaten genannt. Zusätzlich wird die Anzahl der Essattacken mit ein bis zwei pro Woche benannt.

Wenn Du unter den Zahlen liegst, heißt das nicht, dass Du keine Essstörung hast. Darüber hinaus gibt es weitere Verhaltensweisen, die vorkommen. Hierzu zählen zum Beispiel: schnelles Essen und solange zu essen, bis ein unangenehmes Völlegefühl auftritt. Häufig wird es auch vermieden, vor anderen zu essen und im Verlauf dieser Krankheit kommt es vor, das Betroffene sich sozial immer weiter zurückziehen. Nach den Fressattacken kommt es oft zu Scham- und Schuldgefühlen.

Nachfolgend gebe ich Dir noch einen kurzen übersichtlichen Überblick über weitere Anzeichen:

– Schnelles Essen.
– Essen ohne Hungergefühl.
– Essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl.
– Scham- und Schuldgefühle nach Essattacken.
– Nicht vor anderen essen.
– Sozialer Rückzug.
– Unkontrollierte Fressattacken.
– Gedanken drehen sich die meiste Zeit ums Essen.
– Keine Kontrolle über das Essen.
– Das „normale Leben“ wird um die Essanfälle herum organisiert.
– Magenprobleme und Verdauungsproblem.

Falls Du Dich fragst: „Habe ich Binge-Eating?“ Dann schau Dir die zuvor genannten Beispiele an und hinterfrage Dich, ob Du Dich in diesen wieder findest. Falls Du Dich nicht in allen Punkten wieder findest, leidest Du vielleicht unter einer Mischform oder einer atypischen Essstörung (Was ist eine atypische Essstörung?) Daher rate ich Dir im Zweifel mit einer anderen Person über Deine Sorgen zu sprechen. So bekommst Du noch einmal Feedback von einer Person mit einem anderen Blickwinkel. Gerne kannst Du Dich auch an mich wenden für eine Unterstützung.

Binge-Eating. Was ist denn die Ursache?

Wie die meisten Krankheiten gibt es bei Binge-Eating nicht die eine Ursache, sondern es gibt mehrere Ursachen, die zu dieser Erkrankung führen können. Diese Ursachen sind von Person zu Person unterschiedlich. Das heißt, bei Person X hat der Faktor A einen größeren Einfluss und bei Person Y hat der Faktor B einen größeren Einfluss gehabt. Welche Ursachen könnte es denn haben?

Grundsätzlich können zum Beispiel ein negatives Selbstwertgefühl, Probleme Konflikte zu bewältigen, Probleme die eigenen Gefühle wahrzunehmen, häufig Diät zu halten, negative Vorbilder in der Kindheit mit gestörtem Essverhalten, Mobbing in der Kindheit oder andauerndes vergleichen mit anderen dazu beitragen, eine Binge-Eating-Störung zu entwickeln. Hier findest Du mehr zu den Ursachen einer Essstörung.

Was sind denn Auslöser für eine Fressattacke?

Hier möchte ich konkreter auf die Frage eingehen, „was löst Fressanfälle aus?“ Normalerweise ist das Essen eine physiologische Notwendigkeit. Die Nährstoffe aus Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett versorgen den Körper mit lebenswichtigen Substanzen. Dies liefert dem Körper Energie und hält ihn gesund. Die Betroffenen einer Binge-Eating-Störung essen allerdings nicht, um Energie für ihren Körper zu generieren. Die Essattacken finden nicht aufgrund von Hunger statt. Zumindest nicht aufgrund von körperlichem Hunger, sondern vielmehr durch einen emotionalen Hunger. Dieser emotionale Hunger kann natürlich nicht durch Nahrungsmittel befriedigt werden.

Die Fressattacken sind oftmals die Antwort von Betroffenen auf Stress, Frust, Langeweile oder Leere. Zusätzlich wird es häufig dazu genutzt, starke Gefühle zu betäuben wie Angst, Wut, Trauer oder Aufregung. Es müssen nicht unbedingt negative Emotionen sein, es kann auch zu einem Essanfall kommen, wenn man glücklich ist. Außerdem müssen Essanfälle nicht zwingen spontan auftreten sie können genauso geplant werden. Dies geschieht oftmals, um Emotionen zu betäuben, unangenehme Gefühle zu betäuben zum Beispiel, weil man allein ist oder als eine Art Belohnung. Hier wäre das klassische Beispiel der Einkauf für das „große Fressen“ alleine vorm Fernseher nach einem anstrengenden Arbeitstag oder am Wochenende nach einer anstrengenden Woche.

Wie ist der Verlauf?

Der Verlauf bei einer Binge-Eating-Störung ist sehr wechselhaft. Das heißt, viele Betroffene haben über Monate hinweg keine Symptome. Allerdings folgen darauf oftmals Phasen, in der die Essstörung wieder sehr stark ausgeprägt ist. Dies ist oftmals für die Betroffenen tückisch. Was ich damit meine? Es ist für Betroffene durch diesen wechselhaften Verlauf oftmals schwierig, sich selbst einzugestehen, dass sie ein Problem haben und Hilfe benötigen. Ich habe schon häufig Nachrichten bekommen, dass es gerade so schlecht ist und nach drei Wochen hieß es: „Aktuell habe ich es gut im Griff, ich glaube ich schaffe das allein.“ Nach dieser Nachricht höre ich dann monatelang nichts. Dann kommt irgendwann eine neue Nachricht mit den gleichen Problemen wie in der ersten Nachricht beschrieben.

Zusätzlich sind die Zeiten zwischen den Fressattacken ebenfalls durch wechselhaftes Essverhalten geprägt. In der Zwischenzeit ist es oftmals der Fall, dass Betroffene ihre Nahrungsaufnahme durch das Tracken der Kalorien versuchen zu kontrollieren oder eine Diät anfangen. Doch trotz dieser Maßnahmen führen die Essattacken im Verlauf der Erkrankung häufig zur Gewichtszunahme. Diese führt bei vielen Betroffenen zu Übergewicht und kann bis zur Fettleibigkeit gehen.

Da Personen mit einer Binge-Eating-Störung sich sehr für Ihre Essanfälle schämen oder sich teilweise vor sich selbst ekeln, versuchen sie die Fressattacken natürlich geheim zu halten. Dies hat im weiteren Verlauf oftmals zur Ursache, dass sie sich immer weiter zurückziehen und das Sozialleben quasi nicht mehr stattfindet. Darüber hinaus treten mit der Zeit oftmals finanzielle Probleme auf, da die riesigen Nahrungsmengen, die für die Essanfälle gekauft werden, irgendwie bezahlt werden müssen.

Was sind die Folgen?

Bei sehr schweren Fällen kann die Krankheit tödlich enden. Die Gefahr ist nicht so hoch wie bei einer Magersucht, jedoch kann diese Krankheit durchaus tödlich enden. Da es häufig zu Übergewicht kommt, steigen die Risiken für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Gelenkprobleme. Oftmals treten zum Binge-Eating zusätzlich weitere psychische Erkrankungen auf wie Angststörungen oder Depressionen. Diese können durch die Essstörung verschlimmert werden und andersrum.

Nachfolgend noch eine kleine Übersicht der Folgen, die Du vielleicht auf den ersten Blick nicht mit der Erkrankung in Verbindung bringen würdest:

– Finanzielle Problem.
– Schlafprobleme.
– Stress.
– Diabetes.
– Probleme mit dem familiären Umfeld oder Freunden.

Wie kann ich Binge-Eating stoppen?

Hier ist wie bei den meisten Erkrankungen, dass je früher Du beginnst, desto besser und schneller sind die Chancen auf Heilung. Die Möglichkeiten sind wie bei anderen Essstörungen sehr groß. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeiten, zu einem Psychologen zu gehen, in eine Klinik, zur Gruppentherapie, eine Selbsthilfegruppe oder ein Coaching in Anspruch zu nehmen.

Ein wichtiger Schritt ist es, auf dem Weg zur Heilung die Auslöser für Deine Essattacken herauszufinden. Dies sollte auch Deine Frage beantworten, ob Dir ein Ernährungsplan bei Binge-Eating hilft. Da Du mit einem Ernährungsplan nicht Deine emotionalen Probleme löst, wird ein Ernährungsplan nicht Deine Essstörung heilen. Dies schließt nicht aus, zusätzlich einen Ernährungsplan in einer Behandlung zu erarbeiten, wenn es Dir helfen sollte. Allerdings wird dir die Arbeit allein an der Ernährung nicht helfen.

Du kannst das Loch in Deinem Herzen nicht mit Essen stopfen. Dies funktioniert genauso wenig bei Deiner Seele. Hierfür ist es wichtig, Dich kennenzulernen, Deine Bedürfnisse wahrzunehmen und diese dann auch äußern zu können. Weiterhin ist es wichtig, zu lernen mit negativen Gefühlen umzugehen und Konflikte lösen zu können. Denn Dein Inneres spiegelt sich im Äußeren wider. Falls Du Unterstützung dabei brauchst, Dein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen, dann darfst Du Dich gerne unverbindlich bei mir melden.

Ich wünsche Dir alles Liebe.

Deine Janina

„Was vorstellbar ist, ist auch machbar.“

Albert Einstein

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