Urlaub mit Essstörung – Meine Erfahrungen und Tipps

03.06.2022

Einfach in den Urlaub fahren und die Essstörung zu Hause lassen. Wünschst Du Dir das auch manchmal?

Ich habe es mir früher so sehr gewünscht und vorgestellt, wie es wäre, ohne meine Essstörung in den Urlaub zu fahren. Mich frei und leicht zu fühlen. Die Sorgen zu Hause lassen. Kennst Du diese Gedanken?

Allerdings lief es meist ganz anders als in meinen Träumen. Denn gerade im Urlaub spielt das Essen eine große Rolle. Insbesondere wenn Du Dich in einer Essstörung befindest, tauchen sehr viele Probleme auf.

Die meisten Menschen fahren in den Urlaub, um von ihrem „normalen Leben“ oder „Alltag“ abzuschalten. Dies kann sich für Dich allerdings als schwierig herausstellen. Da Du Dir wahrscheinlich viele Regeln rund um die Themen Essen, Bewegung und Sport auferlegt hast. Diese Regeln können im Vorfeld ein ungutes Gefühl oder sogar Angst auslösen, weil der Urlaub eine große Veränderung zum Alltag darstellt. Da gerade Personen in einer Essstörung ein hohes Bedürfnis an Sicherheit haben und jede kleine Veränderung in gewissem Maße auch Unsicherheit bedeutet, ist diese Angst völlig nachzuvollziehen.

Daher möchte ich Dir in dem heutigen Artikel von meinen Erfahrungen erzählen und zusätzlich noch ein paar Tipps zur Planung und allgemein für den Urlaub mit an die Hand geben. Dadurch möchte ich Dir ein wenig die Angst nehmen und Dir Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Ich hoffe, Du kannst etwas für Dich mitnehmen und Deinen nächsten Urlaub ein klein wenig mehr genießen.

Meine Erfahrungen im Urlaub mit Magersucht und Bulimie

Die großen Herausforderungen im Urlaub waren ähnlich wie zu Weihnachten oder Ostern. Mir fiel es allgemein schwer, in Gesellschaft zu essen. Während meiner Magersucht war das Problem eher, dass ich mich beobachtet gefühlt habe, weil ich fast nichts gegessen habe. Dieses Problem hatte ich während der Bulimie nicht. Da machte ich mir eher Gedanken darüber, was andere über die Mengen dachten, die ich gegessen hatte. Zusätzlich kam bei der Magersucht noch hinzu, dass ich einfach extrem energielos war. Die Hitze setzte mir zu, sodass ich kaum Kraft hatte, Dinge zu erleben. Ich war einfach kraftlos und am Ende. Die Blicke der anderen Menschen um mich herum, konnte ich ganz gut von mir abgrenzen, denn zu meiner damaligen Zeit, war ich stolz auf meinen Körper. Stolz so dünn zu sein und ich dachte, dass es eher die Bewunderung anderer Menschen wäre, wie dünn ich sein konnte.

In meiner bulimischen Phase machte mir die unbekannte Umgebung Angst. Ich wusste nicht, wie ich meine zweite Identität aufrechterhalten konnte. Denn zu Hause in Deutschland aß ich ja ganz “normal”. In diesem Fall meine ich mit normal, dass ich meine Gewohnheiten und Routinen hatte, wie ich mich ungestört übergeben konnte. Diese ungesunden Routinen gaben mir trotzdem eine Art Sicherheit und diese Sicherheit fiel im Urlaub natürlich komplett weg. Das machte mir Angst.

Allein diese Gedanken, dass ich nicht wusste, wie ich mich nach dem Essen übergeben könnte, machten mir Panik. Ich hatte Angst aufzufliegen. Diese Angst aufzufliegen, dass jemand herausfindet, was ich bisher verheimlicht hatte, bereitete mir panische Angst.

Kennst Du diese Panik vor einem Urlaub?

Im Vorfeld eines Urlaubes fühlte ich ständig diese Panik. Diese Zeit war für mich purer Stress. Die Vorfreude, die alle anderen auf den Urlaub verspürten und an die ich mich noch leise von früher erinnern konnte, war in dieser Zeit nicht mehr vorhanden. Es war purer Stress und pure Panik.

Natürlich war dies nicht der einzige Stressfaktor. Zusätzlich wollte ich weiter abnehmen, um die perfekte Strandfigur zu haben. Ein perfekter Urlaub ist nur mit einer perfekten Strandfigur machbar, das war zumindest früher mein Glaubenssatz (das ist natürlich absoluter Schwachsinn).

Dies stresste mich den ganzen Urlaub über, da ich ständig auf meinen Körper achten musste. Dafür musste ich natürlich andauernd mein Körper im Spiegel checken und egal wie dünn ich war ich hatte dennoch das Gefühl, die dickste am ganzen Strand zu sein. Es war einfach der reinste Horror.

Dazu kam das schlechte Gewissen hoch, ob ich es überhaupt verdient hätte, Urlaub zu machen. Denn mit Urlaub verband ich, dass ich mir gleichzeitig etwas Gutes tun würde. Natürlich hatte ich nicht das Gefühl, dass ich mir etwas Gutes tun darf. Ich musste immer etwas leisten, durfte nicht entspannen und schon gar nicht ohne Grund einfach so am Strand liegen.

Darf ich Urlaub machen?

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich mich selbst nieder gemacht habe. Da ich so eine schlechte Meinung von mir hatte, fiel es mir schwer, mir etwas Gutes zu tun. Zu dieser Zeit bin ich mir absolut nicht mit Selbstliebe begegnet.

Daher war es am Wochenende für mich auch keine Frage, ob ich ausschlafe. Ich habe mir um 6 Uhr einen Wecker gestellt. Du kannst Dir vielleicht denken, dass die Vorstellung, einen Urlaub zu machen, für mich keine leichte war.

Darf ich Urlaub machen? Habe ich es verdient, mir frei zunehmen?

Geht es Dir ähnlich? Dann lass mich Dir sagen, Du kannst Deinen Selbstwert stärken.

Falls Du mehr dazu wissen möchtest, wie Du Dein Selbstwert stärken kannst, dann schreib mir einfach bei WhatsApp oder Instagram.

Urlaub mit einer Essstörung, diese Fragen solltest Du zuerst klären.

Zuerst ist es wichtig, dass Du Dir erst einmal überlegst, welcher Urlaub für Dich zum jetzigen Zeitpunkt der richtige wäre und was generell zu Dir passt. Solltest Du zum Beispiel an einer Magersucht leiden, ist ein Urlaub am Strand mit All inclusive sicherlich mit viel Stress verbunden, oder?

Dagegen wäre ein Urlaub in einer eigenen Ferienwohnung in den Bergen vielleicht weniger stressig, oder? Dort könntest Du Dein Essen selbst planen und müsstest Dir keine Gedanken über Deine Figur am Strand machen.

Daher kann es sinnvoll sein, Dir bevor Du in den Urlaub fährst, die nachfolgenden Fragen zu beantworten:

  • Wohin möchtest Du reisen? 
  • Bist Du lieber am Strand oder in den Bergen?
  • Vielleicht möchtest Du auch eher einen Städtetrip machen?
  • Was für eine Art von Urlaub bevorzugst Du?
  • Möchtest Du etwas erleben oder lieber einfach entspannen?
  • Benötigst Du einen komplett durchgeplanten Urlaub mit Programm, Animation und Unterhaltung?
  • Vielleicht möchtest Du auch lieber Dein eigenes Ding machen und planst lieber selbst und spontan?

Ansonsten verplane das Ganze nicht zu sehr. Einfach mal ein paar Tage aus dem Alltag rauskommen, kann schon so guttun.

Ist Strandurlaub mit Essstörung ein Problem?

Warum sollte er? Wenn Du an den Strand fahren möchtest, ist das natürlich kein Problem.

Da allerdings eine Gemeinsamkeit bei allen Formen der Essstörung die permanente gedankliche Beschäftigung mit dem Körpergewicht ist, kann ein Strandurlaub natürlich Angst machen. Am Strand laufen die meisten Menschen leicht bekleidet in Bikini, Badeanzug oder Badehose rum. Dies kann für Menschen mit einer Essstörung ein großes Problem sein, da sie sich in ihrem Körper unwohl fühlen.

Dieses Gefühl ist einfach da, auch wenn andere Dir sagen, dass es mit Deiner Figur doch kein Problem sei, ein Bikini anzuziehen. Allerdings ist es hier wichtig, dass Du auf Dich hörst und nicht auf andere.

Vielleicht vergleichst Du Dich aber auch ständig mit anderen und hast so das Gefühl, viel mehr Körperumfang als die anderen Menschen am Strand zu haben? Zum Thema vergleichen kann ich dir noch meinen Podcast „Wie Du endlich aufhörst Dich zu vergleichen“ empfehlen. 

Es ist also völlig in Ordnung, mit T-Shirt, Kleid oder einem zusätzlich umgewickelten Handtuch am Strand zu sein. Es ist wichtig, dass Du Dich damit besser fühlst. Ich kann Dir versichern, das, was andere über Dich denken kannst Du sowieso in kleinster Weise beeinflussen.

Allgemeine Tipps & Tricks rund um den Urlaub in der Essstörung

Solltest Du eine längere Anreise haben, würde ich Dir empfehlen, ein „Safe Food“ mit einzupacken. So kannst Du bei Hunger etwas essen und bist nicht darauf angewiesen, Dir unterwegs etwas zu kaufen. Dies kannst Du auch für Ausflüge während eines Urlaubes genauso handhaben.

Wenn Du mit einer Freundin/Freund zum ersten Mal in den Urlaub fährst, kann es hilfreich sein, Dich ihr/ihm vorher anzuvertrauen, damit sie Dich im Urlaub unterstützen können. Ansonsten kannst Du auch mit einer Person Deines Vertrauens, die zu Hause bleibt, absprechen, dass Du Dich aus dem Urlaub bei ihr melden kannst. Dies kann Dir die Sicherheit geben, in einem Notfall eine seelische Unterstützung zu haben.

Sofern Du Deinen Urlaub nicht in einer Ferienwohnung mit eigener Küche verbringst, gehört auswärtiges Essen im à la carte Restaurant oder am Buffet meist zum Urlaub dazu. Der Besuch im Restaurant macht vielen Betroffenen Angst, da nicht immer klar ist, wie genau die Gerichte zubereitet werden oder was überhaupt bestellt werden soll. Hier empfehle ich Dir auf Dein Gefühl zu hören und das zu bestellen, womit Du Dich am sichersten fühlst. Es ist völlig in Ordnung, nur Dein „Safe-Food“ zu bestellen.

Solltest Du etwas wagen wollen, bestell Dir einfach etwas, wo ein „Safe-Food“ von Dir mit dabei ist, so hast du immer etwas dabei, was Du auf jeden Fall essen kannst. Falls du wissen möchtest wie Du Dich Deinen Fear Food stellen kannst erfährst Du in einem extra Artikel.

Beim Buffet kannst Du Dir alles so zusammenstellen wie Du magst, jedoch kann die Auswahl auch schnell überfordern. Daher gebe ich Dir gleich noch Tipps zum All inclusive Urlaub, die Dir natürlich bei jedem Buffet helfen.

Tipps für ein All inclusive Urlaub mit Essstörung

Buffet mit verschiedenen Lebensmitteln.

Wenn Du an einer Essstörung leidest, ist es natürlich eine große Herausforderung, einen Urlaub zu machen, in dem Du so viel essen kannst wie Du willst und nichts extra zahlen musst. Da die Angst vor einer Zunahme im Urlaub nicht nur Menschen mit Essstörung oder gestörtem Essverhalten betrifft, ist es logisch, dass es diesen Personen noch um ein Vielfaches schwerer fällt.

Daher ist eine Möglichkeit, diese Art von Urlaub zu vermeiden, wenn es ein zu großes Problem ist oder zu große Angst macht. Hier gibt es genug Arten von Urlaub, die angenehmer sind. Falls es für Dich nicht möglich ist, auf einen solchen Urlaub zu verzichten, möchte ich Dir nachfolgend ein paar kleine Tipps mit an die Hand geben.

Meine Tipps:

  1. Benutze einen kleinen Teller.
  2. Hole Dir immer nur eine kleine Portion und gehe dafür öfters.
  3. Hole Dir das, worauf Du Hunger und Lust hast, hierbei kannst Du auch so kombinieren, dass Du immer ein Lebensmittel auf dem Teller hast, welches für Dich „safe“ ist.

Mithilfe dieser Tipps sollte Dir das Buffet nicht mehr so viel Angst machen.

Falls Du weitere Fragen hast, kannst Du Dich gerne bei mit melden.

Liebe Grüße,

Deine Janina

„Du kannst keine neue Zukunft erschaffen, indem Du an den Emotionen aus der Vergangenheit festhältst.“

Dr. Joe Dispenza

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