4 Tipps, wie Du Deine Essstörung besiegen kannst

Kategorie: Essstörung

Datum: 23.01.2024

Stell Dir vor, Du stehst am Rande eines stillen Sees, die sanften Wellen spiegeln Deine unruhigen Gedanken wider. Genau dort, am Ufer Deiner eigenen Herausforderungen, stand ich auch einmal mit dem Wunsch, einen Weg aus meiner Essstörung zu finden.

Ich erinnere mich an die stürmischen Wellen der Angst und die kühle Brise der Zweifel. Doch in dieser Turbulenz fand ich eine unerschütterliche Hoffnung.

Heute möchte ich Dir meine Erkenntnisse und Strategien teilen, die mir auf meinem Weg geholfen haben. Dies ist keine Reise, die Du alleine antreten musst. Jeder Schritt bringt Dich näher an das ruhige Wasser der Genesung. Wie der See sich schließlich beruhigt, so kannst auch Du einen Ort der Ruhe in Dir selbst finden. Tritt mit mir an das Ufer und lass uns gemeinsam den Kurs in Richtung Heilung und Wohlbefinden steuern. Deine Reise beginnt jetzt, und ich bin hier, um Dich zu begleiten.

Wo liegt das Problem bei einer Essstörung?

Die meisten Menschen denken, dass bei einer Essstörung das Essen das Problem ist. Allerdings ist das Essen nur das Symptom oder die Bewältigungsstrategie für das eigentliche Problem. Das Problem liegt viel tiefer. Das bedeutet auch, dass man die Essstörung nicht von heute auf morgen heilen kann. Es ist ein Prozess. Innerhalb dieses Prozesses musst Du an Dir stetig arbeiten. Es geht dabei darum, Dich intensiv mit Dir auseinanderzusetzen, und zwar nur mit Dir.

Was musst Du dafür tun? Du musst Dich zu dem wichtigsten Menschen in Deinem Leben machen. Es mag vielleicht nach nichts Großem klingen, doch aufgrund des geringen Selbstwertgefühls ist die Umsetzung für viele Betroffene sehr schwer.

Ich weiß noch genau, wie es bei mir früher in der Essstörung war. Damals hatte ich vergessen, was es bedeutet, sich um mich selbst zu kümmern. Ich musste erst wieder lernen, mir selbst Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. So wie ich es für einen geliebten Menschen tun würde. Dies bedeutet, bewusst entspannende Aktivitäten zu planen, wie ein langes Bad oder einen Spaziergang in der Natur, und mir zu erlauben, diese Momente ohne Schuldgefühle zu genießen. Diese Praxis der Selbstfürsorge wurde zu einem Eckpfeiler meiner Recovery.

Also vereinbare wöchentliche Dates mit Dir und mache an diesen Tagen etwas Schönes. Geh ins Café, ins Kino (jaa, ins Kino und es interessiert niemanden, ob Du alleine dort bist, oder nicht; ich habe es selbst ausprobiert), koche Dir etwas Leckeres, buche Dir einen Friseurtermin. Du darfst machen, was Du möchtest, aber mache es. Und zwar nur mit Dir alleine.

Löse Deine negativen Glaubenssätze auf

Die Reise meiner Recovery war eine der härtesten, aber auch die erfüllteste Zeit meines Lebens. Ich erinnere mich an einen Punkt, an dem ich mich völlig machtlos fühlte. Damals war ich getrieben von Glaubenssätzen, die mich gefangen hielten. Einer dieser Glaubenssätze war: „Ich bin nicht gut genug.“ Dieser Satz hallte ständig in meinem Kopf wieder. Natürlich, besonders dann, wenn ich versuchte, gesunde Entscheidungen für mich selbst zu treffen. Es war ein emotionaler Prozess, aber mit der Zeit und viel Selbstreflexion begann ich, meine negativen Glaubenssätze zu hinterfragen. Nach und nach konnte ich diese durch Positive ersetzen. Ich lernte, dass ich mehr als meine Essstörung bin, dass ich wertvoll und liebenswert bin, ungeachtet meiner Fehler und Schwächen. Diese Erkenntnis war ein Wendepunkt für mich.

Glaubenssätze sind grundsätzlich die leitenden Prinzipien im Leben, die Richtung und Bedeutung geben. Sie sind die voreingestellten, organisierten Filter unserer Wahrnehmung der Welt (extern und intern). Diese Erkenntnis betont, wie tiefgreifend unsere Glaubenssysteme unsere Wahrnehmung und Interaktion mit der Welt beeinflussen können. (Quelle)

Also, negative Glaubenssätze schränken Dein Leben ein. Durch sie kannst Du auch Bewältigungsstrategien wie eine Essstörung entwickeln, um Deinen Alltag absolvieren zu können. Die meisten von uns tragen negative Glaubenssätze aus der Vergangenheit mit sich herum. Daher ist es auch wichtig, dass Du Dich mit Deinen Glaubenssätzen auseinandersetzt. Dies kann Dir dabei helfen, Deine Essstörung zu besiegen und hinter Dir zu lassen. Alles dazu, wie Du Glaubenssätze überwindest, findest Du im folgenden Artikel: Negative Glaubenssätze wahrnehmen und auflösen: Der Schlüssel zu Deinem inneren Potenzial

Dein Notfallkoffer um die Essstörung zu besiegen 

Ich kann mich noch an die Zeit meiner Recovery erinnern und wie sehr ich mir große und schnelle Fortschritte gewünscht habe. Doch die Realität war, dass ich oftmals verzweifelt und frustriert war. An einigen Tagen ging es voran, doch dann fühlte ich mich wieder schlechter. Falls es Dir auch so geht, dann lass mir Dir sagen, dass schlechte Momente und Tage normal sind. Damit Du zu diesen Zeitpunkten nicht völlig verzweifelst, gibt es eine Art „Notfallkoffer“. 

Mir hat dieser Koffer damals in meiner Recovery unglaublich gut geholfen. Denn ich konnte ihn überall mit hinnehmen und auspacken, wann immer ich ihn brauchte. Jeder Notfallkoffer ist individuell und deswegen solltest Du Dir auch einen zulegen. Immer, wenn es Dir schlecht geht, kannst Du diesen Koffer zur Hilfe nehmen. Ich möchte Dir einige Beispiele geben, was mir damals geholfen hat.

Ich hatte, um ehrlich zu sein, zwei Notfallkoffer. Einmal für mein privates Leben und einmal für die Arbeit.

Mein Notfallkoffer im privaten Bereich:

Einige dieser Dinge waren bei meiner Arbeit nicht möglich, daher unterteile ich diese Listen.

  • Meditieren
  • Tasse Tee kochen und es mir auf dem Sofa gemütlich machen 
  • Mich auf meine Atmung konzentrieren (Das hat mir in besonders starken Weinkrämpfen geholfen)
  • Spazieren in der Natur .
  • Mit meinem Freund reden.

Die Bedeutung der Unterstützung, die ich von meinem Freund erhielt, kann ich nicht genug betonen. Es gab Zeiten, in denen ich mich total isoliert fühlte, aber er war immer da, um zuzuhören und mich zu ermutigen. Er erinnerte mich daran, dass ich nicht allein bin und dass es Menschen gibt, die mich bedingungslos lieben. Dies gab mir die Kraft, weiterzumachen.

Notfallkoffer im Büro: 

Nachfolgend einige Dinge, die für Dich auch im Job oder in der Schule möglich sind.

  • einen Tee kochen und einige Zeit aus dem Fenster schauen.
  • Mich auf meine Atmung konzentrieren.
  • Meine Gedanken aufschreiben
  • Eine kleine Runde draußen an der frischen Luft spazieren 

Oftmals war ich in diesen Situationen gefangen in meiner Negativspirale. Es war sogar teilweise so, dass ich auf eine gewisse Art und Weise gar nicht aus der Situation wollte (Selbstsabotage). Es ist nicht einfach, sich in den Momenten, wenn es einem nicht gut geht, an den Notfallkoffer zu erinnern. Doch denke daran, wie viel besser es Dir danach geht. Versuche Dich auf das Gefühl, wie es Dir nach Deinem Negativmoment gehen wird, zu konzentrieren und dann raffe Dich auf und nimm Dir Deinen Koffer zur Hand. Glaube und vertraue mir. Es lohnt sich und wird Dir helfen, Deine Essstörung nach und nach zu besiegen.

Selbsthilfe bei Essstörungen – Der weiße und der schwarze Wolf 

Hast Du schon einmal etwas von dem weißen und schwarzen Wolf gehört?

Das ist eine Metapher, die zur Illustration der inneren Kämpfe, die jeder Mensch führt, benutzt wird. Dabei symbolisiert der weiße Wolf die positiven Aspekte des Lebens und des Charakters, wie Liebe, Freundlichkeit, Wahrheit und Frieden. Im Gegensatz dazu steht der schwarze Wolf für die negativen Eigenschaften und Emotionen wie Neid, Trauer, Angst, Schuld und Selbstmitleid. Die Lehre aus dieser Metapher ist, dass beide Wölfe in uns existieren und unsere Aufmerksamkeit und Energie beanspruchen. Es liegt an uns zu entscheiden, welchen Wolf wir „nähren“ und damit stärken. Indem wir bewusst positive Gedanken und Taten fördern, können wir den weißen Wolf stärken und so ein ausgeglicheneres, friedvolles Leben führen.

Ich fing damals in meiner Recovery damit an, zwei Dinge in mein Leben zu integrieren, die mir in meinem Leben nicht guttun und den weißen Wolf füttern. Dies war zum einen Schlaf und zum anderen Meditation. In meiner Essstörung habe ich keinen Wert auf meinen Schlaf gelegt. Ich dachte, dass ich nicht mehr als 4 Stunden Schlaf brauche. Aber das ist absoluter Unsinn gewesen. Ich kann jetzt sagen, dass mir Schlaf unter 8 Stunden überhaupt nicht guttut. Ich brauche meinen Schlaf und er ist so erholsam für mich. Seitdem ich das mache, geht es mir sehr viel besser. Zudem stellte ich fest, dass mir die Ruhe und Stille der täglichen Meditation so guttat und ich mich viel besser fühlte.

Überlege Dir, wie Du Deinen weißen Wolf nähren kannst, damit es Dir von Tag zu Tag besser geht. Ich werde Dir dazu nachfolgend eine kleine Liste erstellen. Eine mit Dingen, die Du tun kannst, um Deinen weißen Wolf zu nähren, und eine mit Dingen, mit denen Du aufhören solltest, da sie den schwarzen Wolf nähren.

Was den schwarzen Wolf füttert (Nicht empfohlen, hiermit aufhören): 

  • Negative Selbstgespräche pflegen (Vor dem Spiegel stehen und Körperregionen kritisieren, Dich ständig selbst kritisieren, Deine Fähigkeiten und Qualitäten infrage stellen)
  • Körperliche Warnsignale und Bedürfnisse ignorieren. (Dich zwingen den ganzen Tag, ohne Essen auszukommen, obwohl Du hungrig bist und Dich schlapp fühlst).
  • Isolation und Rückzug von Freunden und Familie. (Einladungen ablehnen und die meiste Zeit in der Wohnung oder Zimmer verbringen).
  • Unrealistische und strenge Diät- oder Körperbildziele setzen. (Extreme tiefe Gewichtsziele)
  • Übermäßiges Kontrollbedürfnis über Essen und Gewicht.(Jede Kalorie tracken oder ständig auf die Waage steigen und zwanghaft Dein Gewicht kontrollieren)

Dinge die Du tun kannst, um den weißen Wolf zu füttern (Empfohlen): 

  • Dich auf innere Werte und Stärken konzentrieren, nicht nur auf das Äußere.
  • Positive Selbstgespräche pflegen und Dich selbst mit Mitgefühl behandeln.
  • Regelmäßige Mahlzeiten einplanen.
  • Achtsamkeitstechniken erlernen, um besser mit Stress und Emotionen umzugehen.
  • Sich Zeit für Hobbys und Interessen nehmen, die Freude bereiten.
  • Kleine, erreichbare Ziele setzen und feiern.
  • Lernen, Hilfe anzunehmen und offen über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen.

Selbsthilfe bei Essstörungen: Meine Abschlussworte

In diesem Artikel hast Du gelernt, dass das Problem nicht das Essen selbst ist, sondern tiefere, emotionale Herausforderungen. Diese musst Du auflösen, um zu heilen. Außerdem  hast Du gelernt, wie wichtig es ist, Dich selbst zum Mittelpunkt Deines Heilungsprozesses zu machen. Das heißt, Dir Zeit für Selbstfürsorge und Reflexion zu nehmen. Wir haben die Macht negativer Glaubenssätze besprochen und was Du tun kannst.   Der Notfallkoffer, den wir zusammen gepackt haben, bietet Dir Werkzeuge und Strategien für die schwierigen Tage. Und schließlich haben wir noch darüber gesprochen, wie wichtig es ist, den weißen Wolf zu nähren.

Jede Recovery-Reise ist einzigartig, aber sie bietet die Chance der Heilung und des Wachstums. Es ist ein Weg, der Mut, Geduld und Selbstliebe erfordert. Doch mit jedem Schritt, den Du machst, eröffnen sich neue Perspektiven und Möglichkeiten.

Denk daran, dass Du nicht allein bist. Es gibt Unterstützung, Liebe und Verständnis, die auf Dich warten. Du musst sie nur annehmen. Du bist stärker als Du denkst und fähig zu unglaublichen Veränderungen. Wie wirst Du den ersten Schritt auf Deinem Weg zur Genesung heute machen?

Liebe Grüße

Deine Janina

„Du kannst Dir nicht aussuchen wie Du stirbst. Oder wann. Du kannst nur entscheiden wie Du lebst. Jetzt.“

Joan Baez

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