Was ist eine atypische Anorexie?

03.04.2022

Hallo meine Liebe, ich freu mich, dass Du wieder auf meinem Blog vorbeischaust. Ich möchte Dir heute ein wenig zu dem Thema atypische Essstörungen erzählen, insbesondere zur atypischen Anorexie. Ich finde, es ist ein wichtiges Thema und es sollte hier unbedingt weitere Aufklärung betrieben werden, da es so viele Missverständnisse gibt. Ich versuche, mit diesem Artikel ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Ich hoffe, Du kannst etwas aus dem Artikel mitnehmen.

Diagnose atypische Anorexie?

Der Anfang klingt vielleicht ein wenig kompliziert, dafür wird es später wieder einfacher. In Deutschland sind Psychotherapeuten, die über die gesetzliche Krankenversicherung abrechnen verpflichtet Diagnosen nach dem ICD-10-GM zu erstellen. ICD heißt „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems” oder  einfacher gesagt: „Internationale Klassifikation der Krankheiten“. Das GM am Ende steht für German Modification also die deutsche Version des ICD. Der ICD wird von der WHO (Welt Gesundheitsorganisation) herausgegeben. Zum 01.01.2022 trat der ICD-11 in Kraft, es gibt jedoch eine Übergangszeit von 5 Jahren, in denen noch der ICD-10 angewendet wird.

So viel zur Grundlage der Diagnose. Nun zurück zur atypischen Anorexie. Diese wird laut ICD-10 mit dem Code F50.1 abgekürzt und wie folgt definiert: Es handelt sich um Störungen, die einige Kriterien der Anorexia nervosa erfüllt, das gesamte klinische Bild rechtfertigt die Diagnose jedoch nicht. Zum Beispiel können die Schlüsselsymptome wie deutliche Angst vor dem zu Dicksein oder die Amenorrhö (Ausbleiben der Regelblutung) fehlen, trotz eines erheblichen Gewichtsverlustes und gewichtsreduzierendem Verhalten (Quelle).

Wie kommt diese Diagnose zustande?

Grundsätzlich und vereinfacht kann man sagen, dass eine Diagnose eine bestimmte „Schublade“ ist. In diese „Schubladen“ ordnen Ärzte ihre Patientinnen ein und hiernach richtet sich die Behandlung. Ich finde es nicht förderlich, Menschen in „Schubladen“ zu stecken, da jeder Mensch unterschiedlich ist, und genauso ist jede Erkrankung anders. Daher gibt es kein Plan X, der für alle funktioniert. Dies ist auch mein Vorteil, ich stelle keine Diagnosen, da ich keine Ärztin bin. Außerdem bin ich nicht abhängig von den Krankenkassen und muss deren Voraussetzungen nicht erfüllen, um Geld zu bekommen. Ich unterstütze meine Kundinnen individuell und auf die jeweilige Situation angepasst.

Die Diagnose Magersucht (Anorexia nervosa) wird nach klinischer Diagnose-Richtlinien bei einem Gewicht von unter 15% unter dem zu erwartendem Gewicht oder ein BMI von unter 17,5 gestellt. Somit würde, sofern eine Betroffene, die über diesem BMI liegt, nicht als magersüchtig gelten. Das würde im Ergebnis heißen, dass Du in bestimmten Kliniken nicht aufgenommen wirst. Warum? Das ist eine gute Frage. Die Antwort lautet, weil Du nicht in die Diagnose passt und die Klinik, dies dann nicht abrechnen kann. Daher ist die Diagnose atypische Anorexie, eine gute Sache, um in diesem sicherlich nicht perfektem Gesundheitssystem diesen Betroffenen auch zu helfen.

Leider wird diese Diagnose oftmals nicht gestellt oder das Problem nicht einmal erkannt. Als Beispiel wurde mir schon häufiger auf Instagram von Mädchen berichtet, dass Sie, solange Sie im Normalgewicht waren, nicht ernst genommen wurden. Da wurde ihnen teilweise von Therapeuten erzählt, dass sie keine Essstörung haben, wenn Sie im Normalgewicht seien.

Ist man bei einer Magersucht immer untergewichtig?

Wenn man in irgendwelche Paragrafen und Symptom-Beschreibungen schaut, bestimmt. Das ist die Theorie. Die Praxis ist halt die atypische Anorexie. In dieser kannst Du im Normalgewicht oder sogar darüber sein. Diese wird leider, wie zuvor schon beschrieben, oftmals nicht erkannt und somit nicht behandelt. Ich glaube, es gibt für jemanden, der an einer Form der Magersucht leidet kaum etwas schlimmer als zu hören, dass er nicht dünn genug für diese Krankheit sei. Sollte Dir dies jemals passieren oder passiert sein, dann lass Dir gesagt sein, derjenige der Dir dies gesagt hat, ist absolut ahnungslos und ungeeignet Dir Ratschläge zu erteilen.

Die atypische Anorexie ist nicht weniger schlimm als eine klassische Anorexie. Es ist nur ein anderer Name. Dies ändert nichts an der Tatsache, dass Betroffene Hilfe benötigen. Ich möchte es einmal klarstellen, es gibt nicht die eine „richtige Essstörung“, sondern unterschiedliche Formen. Daher möchte ich es noch mal betonen, keine Variante ist harmlos oder harmloser als eine andere, es sind alles ernst zu nehmende Krankheiten. Das Wichtigste ist hier, je schneller Du Dir Hilfe holst, desto schneller und besser sind Deine Heilungschancen. Allerdings heißt das nicht, dass Du, wenn Du länger an der Krankheit leidest, keine Chance auf Heilung hast. Nach meiner Meinung ist eine Heilung immer möglich.

Welche Symptome können bei atypischer Anorexie auftreten?

Im Grunde treten die gleichen Symptome auf, wie bei einer Anorexie. Im Nachfolgenden zähle ich ein paar Symptome als Beispiel auf.

– Das Gewicht ist im Normalgewicht oder sogar darüber.

– Ein stark verzerrtes Körperbild.

– Starke Angst wieder zuzunehmen.

– Der Drang die Kalorienzufuhr so niedrig wie möglich zu drücken.

– Dauernde gedankliche Beschäftigung mit Essen, eigener Figur und dem eigenen Körpergewicht.

– Versuch der Gewichtskontrolle

– Exzessiver Sport und extremer Bewegungsdrang

Ich möchte noch ein kleines Beispiel geben. Also Frau Meier (ausgedachter Name und ausgedachtes Beispiel) ist 166 cm groß und wiegt Anfang 2019 ungefähr 90 kg. Dann beginnt sie harmlos mit einer Diät und nimmt in 3 Monaten 10 kg ab. Die ersten Erfolge spornen sie an und sie macht weiter. Dann Mitte 2020 hat sie insgesamt 34 kg abgenommen und wiegt 56 kg. Dies bedeutet, sie ist noch im Normalgewicht. Das heißt keine Magersucht, oder?

Doch sie leidet mittlerweile unter anderem an Müdigkeit, Schwindel, niedrigem Blutdruck, geringe Körpertemperatur, Bauchschmerzen, Verstopfung, hat andauernd kalte Hände, leichten Haarausfall, brüchiges Haar und Verlust ihrer Regelblutung. Die Abnahme hat sie durch die Einnahme von Abführmitteln, tageweises Fasten und extreme Einschränkung der Kalorien erreicht. Außerdem hasst Sie ihren Körper und fühlt sich zu dick.

Das alles sind Symptome einer Magersucht und es liegt eindeutig eine Essstörung vor. Dies wäre ein Beispiel für eine atypische Anorexie. Du siehst es an diesem Beispiel, es ist möglich, im Normalgewicht und selbst im Übergewicht unter einer Essstörung zu leiden.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es bei einer atypischen Anorexie?

Du hast hier prinzipiell die gleichen Möglichkeiten wie bei jeder anderen Essstörung. Das Wichtigste ist, das Du Deine Essstörung überwinden möchtest und Dir die für Dich passende Hilfe holst. Du hast die Möglichkeit zum Psychologen zu gehen und unterschiedliche Therapieformen wie zum Beispiel die Verhaltenstherapie in Anspruch zu nehmen. Darüber hinaus kannst Du in eine Klinik gehen, zu einer Selbsthilfegruppe oder Du kannst Dir von mir Unterstützung auf Deinem Weg holen.

Da viele, sobald Sie abnehmen viele Komplimente und Anerkennung bekommen und sich keiner Sorgen macht, solange man im Normalgewicht ist, möchte ich es nochmals sagen: „Nur weil Du im Normalgewicht bist, heißt das noch lange nicht, dass Du gesund bist.“ Solltest Du ein gestörtes Essverhalten haben, ist es wichtig, daran zu arbeiten. Falls Du Dich fragst: „Habe ich ein gestörtes Essverhalten?“ Dann klick auf den Link und Du kannst Dir meinen Artikel dazu durchlesen.

atypische Anorexie

Kommen atypische Essstörungen häufig vor?

Ja, es gibt sogar eine sehr große Anzahl an Betroffenen, wenn nicht sogar die Mehrzahl, die nicht in die klassische Diagnose Anorexie, Bulimie oder Binge Eating passen. Wie dies zustande kommt? Nun jede Krankheit ist individuell und es gibt kein starres Gerüst bei Essstörungen. Das heißt das einige Symptome auftreten und nicht unbedingt alle. Es können sich Symptome der unterschiedlichen Diagnosen vermischen.

Für die Magersucht habe ich im vorangegangenen Text mehrere Beispiele aufgezählt. Bei der atypischen Bulimie kann es zum Beispiel sein, dass Betroffene sich nur ein- oder zweimal in der Woche übergeben. Genau so ist es auch bei Binge Eating möglich, in einer untypischen Form nur ein oder zwei Anfälle in der Woche zu haben. Dies bedeutet, die klassische Diagnose trifft nicht zu und es wird als atypische Essstörung bezeichnet.

Weitere atypische Essstörungen?

Zu den atypischen Essstörung zählen darüber hinaus noch das Night-Eating-Syndrom, Pica-Syndrom, Pruging-Disorder, Orthorexie und Chew and Spit. Beim Night-Eating-Syndrom wachst Du nachts auf und isst unkontrolliert, weil Du nicht einschlafen kannst. Es kann auch vorkommen, dass Du Dich am nächsten Tag nicht einmal an diesen Essanfall erinnerst. Beim Pica-Syndrom isst Du Dinge, die keine Lebensmittel sind wie zum Beispiel Sand. Bei Chew and Spit wird das Essen nur gekaut und dann wieder ausgespuckt.

Die Purging-Disorder, ist ähnlich wie eine Bulimie und es kann auch mit Erbrechen stattfinden, jedoch ohne ein übermäßiges Essen zuvor. Doch hauptsächlich wird bei dieser Form versucht durch Abführ- oder Entwässerungsmittel das Körpergewicht trotz Nahrungsaufnahme zu kontrollieren. Von Orthorexie spricht man bei zwanghaftem Essen von „gesundem Essen“. Oftmals wird Orthorexie als Zwang und nicht als Essstörung betitelt. Falls Du Dich fragst: „Welche Essstörungen gibt es?“ Oder Du mehr über drei noch unbekannte Essstörungen erfahren möchtest, klicke auf den jeweiligen Link.

Falls Du Probleme mit dem Essen hast, liegt fast immer eine Essstörung vor und Du solltest Dir Unterstützung suchen. Es ist keine Schwäche sich Hilfe zu holen, sondern vielmehr eine Stärke. Dies erkennst Du daran, dass viele es sich nicht eingestehen können, dass sie Hilfe benötigen. Dies zeigt schon, wie schwer es ist, und ich wünsche Dir diese Stärke, damit Du es schaffst ein Leben nach Deinen Wünschen zu leben. Ein leichtes Leben in Freiheit und ohne Essstörung.

Liebe Grüße
Deine Janina

„Am schönsten sind wir, wenn wir niemandem gefallen wollen.“

unbekannt

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