Mein damaliges Leben als Bulimikerin_Janina mit einem Getränk in der Hand

Mein damaliges Leben als Bulimikerin

Einkaufen, essen, kotzen.

Das war mein Tagesablauf. Ich konnte kaum andere Dinge in meinem Leben zulassen, weil ich meiner Sucht nachkommen musste.

Die Sucht Essen zu kaufen, danach zu verschlingen und es dann letztendlich wieder auszukotzen.

Heute möchte ich über mein damaliges Leben als Bulimikerin sprechen und wie es mir jetzt geht.

Mein damaliges Leben als Bulimikerin – Fangen wir von vorne an. Zu Beginn meiner Essstörung war ich magersüchtig. Als ich dann eines morgens gesehen habe, dass ich unter 40kg wiege, habe ich Panik bekommen und habe innerhalb kürzester Zeit 15 kg zugenommen. Durch die Zunahme bekam ich Angst, Panik und wusste einfach nicht mehr weiter. Und so bin ich in die Bulimie gerutscht.

Während ich vorher so diszipliniert war und die ganze Zeit auf Nahrung verzichten konnte, war es auf einmal wie weggeblasen.

Ich war süchtig. Süchtig nach Nahrung. Zurückhalten konnte ich mich nicht mehr, denn ich brauchte das Essen. Ich hatte unbändigen Hunger und konnte nichts Anderes mehr zulassen. Aber die Angst noch weiter zuzunehmen, war so unendlich groß. Und so kam der Tag, an dem ich mir das erste Mal den Finger, nach dem Essen, in den Hals steckte.

Damals dachte ich, dass ich für mich die perfekte Lösung gefunden hatte. Ich konnte alles essen, ohne weiter zuzunehmen.

Aber schon nach kurzer Zeit merkte ich, wie sehr die Bulimie an meinen Nerven zerrte.

Schon schnell verlor ich das Interesse mich mit anderen zu treffen. Ich wollte so oft wie möglich alleine sein. Denn dann konnte ich still und heimlich meine Sucht ausleben.

An manchen Tagen zelebrierte ich es förmlich. Ich kaufte mir Unmengen an Essen. Fing schon auf dem Weg nach Hause an diese Dinge zu essen, um dann meiner Sucht zuhause nachzugehen. Irgendwann konnte ich mich kaum noch rühren. Habe mich ins Badezimmer geschleppt, um dann alles wieder loszuwerden, was ich soeben teuer eingekauft hatte.

Mein damaliges Leben als Bulimikerin

So sah es aus, wenn ich alleine gewesen bin.

Wenn man zu Besuch war oder in ein Restaurant gegangen ist, habe ich vorher meistens die Toilettenräume abgecheckt, um zu schauen, ob es möglich ist, mich nach dem Essen zu übergeben. Wenn dem so war, konnte ich mich auch da nicht zurückhalten und habe Unmengen gegessen.

Falls ich für mich feststellte, dass ich mich an dem Ort nicht so gut übergeben kann, habe ich mich zurückgehalten und wirklich nur ganz wenig gegessen. Es ist mir wirklich schwergefallen. Oft habe ich es nicht geschafft und die Panik, nachdem man wusste, was man alles gegessen hatte, wurde danach so unglaublich groß.

Und wenn ich unterwegs war, dann war ich sie. Die glückliche Janina. Damit niemand etwas merkt. Ich habe allen etwas vorgespielt. Nach außen hin schien ich glücklich zu sein. Aber das Lächeln verstarb direkt im Inneren.

Das Foto was ich als Titelbild ausgewählt habe, zeigt meine Zeit, in der ich tief in der Bulimie steckte. Aber ich sah nicht traurig, oder dünn aus. Man sah mir das Unglücklichsein nicht an.

Und das macht die Bulimie so gefährlich.

Die Bulimie war jahrelang mein treuer Begleiter. Der tägliche Kampf dieser Sucht und die gleichzeitige Scham, die ich verspürte, waren unglaublich groß.

Beim Einkaufen habe ich mich geschämt und mich immer von den Kassiererinnen ertappt gefühlt. Ich dachte immer, dass man direkt wissen muss, was ich mit diesem Essen vorhabe. Und generell habe ich mich für mich und mein Leben geschämt. „Was die Leute wohl von mir denken würden, wenn sie wüssten, wer ich wirklich bin?“ Eins stand fest. Ich durfte es nicht dazu kommen lassen, dass jemand meine wahre Identität herausbekommt, das war mein oberstes Ziel.

Und nicht nur die Scham war ein großes Problem. – Mein damaliges Leben als Bulimikerin

Die Ess-Brech-Sucht brachte mich aber auch in finanzielle Schwierigkeiten. Essen ist teuer und wenn man sich täglich Unmengen an Nahrung kauft, muss das irgendwie finanziert werden. Auch dafür habe ich mich geschämt. Denn es hat so gar nicht zu meinen Werten gepasst.

Ich wusste jeden Tag, dass es nicht gut ist, was ich da machte. Aber ich konnte nicht anders, denn ich wusste nicht was mit mir los war. Ich wusste nur, dass ich wieder all die Dinge essen möchte, die ich mir in der Magersucht verboten hatte, aber ich wollte nicht zunehmen. Deswegen habe ich mich so lange an der Bulimie festgeklammert.

Mein damaliges Leben als Bulimikerin – Die Bulimie hat mich depressiv gemacht

Oft hatte ich die Gedanken, dass ich gar nicht mehr weiß, warum ich überhaupt aufstehe. Die permanenten Gedanken ums Essen machten mich krank. Sie machten mich verrückt und ich wusste nicht mehr weiter.

Aber ich habe zum Glück den Weg herausgeschafft und dafür bin ich unendlich dankbar. Dankbar für mein neues Leben und dankbar für mein neues Ich.

Das ich jetzt so offen darüber sprechen kann, hätte ich nie gedacht.

Ich habe mich mit mir und meiner Krankheit auseinandergesetzt und sie ist ein Teil von mir und wird es auch immer sein. Sie hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und dafür bin ich dankbar. Heute kann ich ohne Probleme darüber reden. Mir ist es egal, was andere Menschen davon denken. Denn die Zeit und die Krankheit gehören zu mir. Und ich habe es geschafft.

Ich weiß, warum ich in die Essstörung gerutscht bin, warum das Essen meine Bewältigungsstrategie war. Mittlerweile kenne ich mich unglaublich gut. Ich merke bereits bei den kleinsten Anzeichen, wenn es mir nicht so gut geht und wann ich eine Pause benötige. Ich weiß auch, dass wenn ich dann nicht auf mich höre, dass irgendwann die Essstörung wieder an der Tür klopfen würde, um hereingelassen zu werden.

Aber soweit lasse ich es nicht mehr kommen, denn ich bin zu 100 % safe und brauche die Essstörung nicht mehr in meinem Leben.

Ich habe gelernt auf mich zu schauen und in mich zu gehen. Welche Bedürfnisse ich wann habe und was mir fehlt, weiß ich mittlerweile ganz genau.

Und das ist das größte Geschenke, was ich mir selber machen konnte. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit hätte ich niemals so viel in mich investiert, wenn ich die Essstörung nicht gehabt hätte.

Ich kenne mich so unglaublich gut, habe mich schätzen und akzeptieren gelernt und ich verbringe mittlerweile sogar echt gerne Zeit mit mir.

Deine Essstörung ist eine Chance.

Sie möchte dir zeigen, dass dir etwas fehlt, dass du auf dich achten sollst. Geh in dich, nimm dir Zeit für dich und versuche die Sprache deiner Seele zu verstehen.

Es ist das größte Geschenk, sich neu kennen lernen zu dürfen. Nimm es an.

Wenn du Hilfe in Anspruch nehmen möchtest, unterstütze ich dich gerne dabei. Du kannst mir sonst auch gerne eine E-Mail oder bei Instagram schreiben.

Der nächste Satz ist keine Drohung. Es ist mein Lieblingszitat und bringt es einfach unglaublich gut auf den Punkt.

Die Zeit läuft. Das Leben ist keine Generalprobe.

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