Verbesserter Schlaf: Wenn Dein Körper endlich zur Ruhe kommt
Was mein schwarzer Wolf mit Schlafmangel zu tun hatte
Mehr im Hier und Jetzt: Wenn die Gedanken ans Essen leiser werden
Eat and forget: Wie sich Freiheit anfühlt
Grenzen setzen: Wenn Du lernst, Nein zu sagen
Warum Nein sagen Deine Recovery stärkt
Tiefere Beziehungen: Wenn Du aufhörst, Dich zu verstecken
Spontanität und Spaß: Wenn das Leben wieder leicht wird
Du isst regelmäßiger, versuchst, Dich an Deinen Plan zu halten, und gibst alles. Doch trotzdem stehst Du abends da und fragst Dich, ob Dir das alles wirklich was bringt?
Vielleicht schaust Du auf die Waage und die Zahl macht Dir Angst. Oder die Zahl bewegt sich gar nicht und Du denkst, es tut sich nichts. Vielleicht hast Du nach einem Essanfall die halbe Nacht wachgelegen und Dich gefragt, ob Du jemals da rauskommst. Egal wie Deine Essstörung aussieht, dieses Gefühl kennen fast alle aus ihrer Recovery.
Ich kenne es zumindest. Am Anfang meiner Recovery habe ich meinen Fortschritt fast ausschließlich am Gewicht gemessen. An guten Tagen war die Zahl okay. An schlechten Tagen hat sie alles zerstört. Doch die wichtigsten Zeichen meiner Heilung hatten nichts mit der Waage zu tun. Außerdem hat derjenige, der seinen Selbstwert hauptsächlich am Gewicht festmacht, ein deutlich höheres Rückfallrisiko, selbst wenn die äußeren Symptome bereits nachlassen.
Denn die echten Fortschritte passieren oftmals leise. Sie zeigen sich häufig in Dingen, die Du vielleicht gar nicht als Erfolg erkennst. Einfach, weil die Waage so laut ist, dass Du die leisen Veränderungen übersiehst.
Deshalb zeige ich Dir fünf dieser Zeichen, die nichts mit dem Gewicht zu tun haben. Vielleicht bist Du auch schon weiter, als Du denkst?
- Die echten Zeichen Deiner Heilung haben nichts mit der Waage zu tun. Sie sind oft leise, wie besserer Schlaf, weniger Gedankenkreisen oder ehrlichere Beziehungen.
- Dein Körper sendet Dir Signale. Wenn Du besser schläfst, morgens nicht sofort am Limit bist und klarer denken kannst, dann zeigt Dir Dein Körper, dass sich etwas verändert. Auch wenn sich äußerlich noch nichts verändert hat.
- Heilung passiert auf vielen Ebenen gleichzeitig. Du lernst, Nein zu sagen, Dich nicht mehr zu verstecken und das Leben wieder zu genießen. Das ist Recovery.
- Vielleicht bist Du weiter, als Du denkst. Schreib jeden kleinen Schritt auf. Manchmal sehen wir Heilung erst, wenn wir bewusst hinschauen.
Verbesserter Schlaf: Wenn Dein Körper endlich zur Ruhe kommt
Schlaf klingt erstmal nicht nach einem Recovery-Erfolg. Aber wenn Du weißt, wie es sich anfühlt, nachts wachzuliegen, weil Dein Körper Hunger hat oder Dein Kopf nicht aufhört zu kreisen, dann kannst Du Dir vielleicht vorstellen, was es bedeutet, wenn sich das verändert.
In der Essstörung ist Schlaf selten erholsam. Menschen mit Essstörungen haben eine deutlich schlechtere Schlafqualität als Gesunde, und zwar egal ob Magersucht, Bulimie oder Binge Eating. Denn Dein Körper bekommt nicht genug Energie und signalisiert Dir das auch. Nachts wachst Du auf, weil Du Hunger hast. Oder Du liegst ewig wach, weil die Schuldgefühle nach einem Essanfall nicht aufhören. Doch auch wenn Du schläfst, kommt Dein Körper trotzdem nicht zur Ruhe, weil er im Dauerstress ist.
Wenn sich Dein Schlaf verbessert, passiert etwas Entscheidendes. Du wachst morgens auf und bist nicht sofort am Limit, wodurch Du mehr Kraft für den Tag hast. Dazu kannst Du klarer denken und bist weniger emotional. Und genau das brauchst Du in der Recovery. Denn wenn Du übermüdet bist, wird alles schwerer. Du bist erschöpft und die Wahrscheinlichkeit, dass die Essstörung wieder lauter wird, steigt, egal ob das Kontrolle, Essanfall oder beides bedeutet. Jede Entscheidung ums Essen, jeder Blick in den Spiegel, jeder Kommentar von außen trifft Dich härter.
Was mein schwarzer Wolf mit Schlafmangel zu tun hatte
Bei mir war Schlaf lange kein Thema, weil ich ihn mir selbst nicht gegönnt habe. Ich bin um 4 Uhr morgens aufgestanden, um vor der Arbeit Sport zu machen. Am Wochenende habe ich mir einen Wecker gestellt, damit ich ja keine Trainingseinheit verpasse. Ausschlafen? Gab es nicht. Mein Körper war permanent erschöpft, aber ich habe das ignoriert.
Irgendwann habe ich angefangen, mit der Methode des schwarzen und weißen Wolfs zu arbeiten. Die Idee ist, dass in uns zwei Wölfe leben. Der eine, der uns stärkt, und einer, der uns schwächt. Welcher stärker wird, hängt davon ab, welchem wir mehr Aufmerksamkeit geben. Konkreter beschreibe ich das im Artikel: 4 Tipps, wie Du Deine Essstörung besiegen kannst
Mein Ziel war es damals, zwei Dinge loszulassen, die den schwarzen Wolf stärken. Zudem wollte ich zwei Dingen mehr Aufmerksamkeit widmen, die den Weißen stärken. Mein schwarzer Wolf war der 4-Uhr-Wecker. Daher fing ich als ersten Schritt an, mir am Wochenende keinen Wecker mehr zu stellen. Ich habe ausgeschlafen. Und der Unterschied war enorm. Nicht nur körperlich. Ich war weniger emotional und konnte rationaler über Dinge nachdenken. Ich hatte einfach mehr Energie, um meinen Weg weiterzugehen. Dieser Schlaf fütterte meinen weißen Wolf.
Wenn Du merkst, dass Du besser schläfst, dass Du nachts nicht mehr aufwachst, dass Du morgens nicht sofort in diesem Erschöpfungsmodus bist, dann ist das ein echtes Zeichen dafür, dass sich etwas in Dir verändert. Auch wenn die Waage das nicht zeigt.
Dein Mini-Schritt für heute: Achte eine Woche lang auf Deinen Schlaf. Nicht mit einer App, nicht mit Leistungsdruck. Einfach ehrlich hinschauen. Wachst Du seltener auf? Fühlst Du Dich morgens etwas fitter als vor ein paar Wochen? Schreib es auf. Manchmal sehen wir Fortschritte erst, wenn wir sie schwarz auf weiß vor uns haben.
Mehr im Hier und Jetzt: Wenn die Gedanken ans Essen leiser werden
Du sitzt mit Freundinnen zusammen und bist eigentlich gar nicht da. Dein Körper sitzt am Tisch, aber Dein Kopf ist längst woanders. Was habe ich vorhin gegessen? War das zu viel? Was esse ich heute Abend? Soll ich morgen weniger essen? Und wenn nächste Woche das Essen im Restaurant ansteht, was bestelle ich da?
Diese Gedanken nehmen so viel Platz ein, dass für das eigentliche Leben kaum noch Raum bleibt. Du bist entweder in der Vergangenheit, in der Du analysierst, was Du gegessen hast und ob das richtig war. Oder Du bist in der Zukunft, in der Du schon Speisekarten durchgehst und Mahlzeiten planst, die erst in Tagen stattfinden. Aber im Jetzt? Da bist Du selten.
Das ist bei Magersucht so, wenn sich alles um Kontrolle und Planung dreht. Das ist bei Bulimie so, wenn Du nach einem Essanfall stundenlang gedanklich nicht loskommst. Und das ist bei Binge-Eating so, wenn die Scham danach Deinen ganzen Abend frisst und Du nur noch darüber grübelst, warum Du es wieder nicht geschafft hast.
Ich kenne das. Ich habe tagelang vorher Speisekarten studiert, Gerichte rausgesucht, Kalorien berechnet. Am Ende hab ich trotzdem Panik bekommen. Mein Kopf war nie da, wo mein Körper war.
Eat and forget: Wie sich Freiheit anfühlt.
Wenn die Gedanken ans Essen leiser werden, merkst Du das nicht an einem großen Moment. Es ist eher so, dass Du irgendwann feststellst, dass Du gerade eine Stunde lang nicht ans Essen gedacht hast. Dass Du ein Gespräch führen konntest, ohne nebenbei Kalorien zu zählen. Dass Du eine Mahlzeit hattest und danach einfach weitergelebt hast.
Eine Klientin hat das mal so auf den Punkt gebracht: „Eat and forget.“ Essen und dann vergessen. Nicht, weil es egal ist. Sondern weil es nicht mehr alles ist. Das ist für mich einer der schönsten Sätze, die ich in meiner Arbeit gehört habe. Weil er genau beschreibt, wie sich Freiheit anfühlt.
Und ja, dieser Punkt fühlt sich vielleicht weit weg an. Vielleicht denkst Du gerade, dass Du Dir ein Leben ohne diese Gedanken gar nicht vorstellen kannst. Das ist okay. Es geht nicht darum, von heute auf morgen nicht mehr ans Essen zu denken. Es geht darum, zu bemerken, wenn die Abstände zwischen den Essensgedanken länger werden. Wenn Du nach einer Mahlzeit nicht mehr sofort in die Bewertung gehst. Das sind die leisen Zeichen, die Dir sagen, dass sich etwas verschiebt. Denn dieses ständige Grübeln über Essen und Körper hält die Essstörung aufrecht. Je weiter die Genesung fortschreitet, desto leiser werden diese Gedanken.
Dein Mini-Schritt für heute: Achte bei der nächsten Mahlzeit bewusst darauf, wie lange die Gedanken brauchen, bis sie weiterziehen. Oder: Halte den Moment fest, wenn Du merkst, dass Du gerade eine Weile nicht ans Essen gedacht hast.
Grenzen setzen: Wenn Du lernst, Nein zu sagen
Wenn Du in einer Essstörung steckst, sagst Du selten Nein. Nicht beim Essen, nicht bei anderen Menschen. Du funktionierst. Du passt Dich an. Du tust, was andere von Dir erwarten, oder was Du glaubst, dass sie erwarten. Und wenn sich am Ende des Tages alles falsch anfühlt, kommt die Essstörung als Ventil.
Bei Magersucht ist die Kontrolle übers Essen oft der einzige Bereich, in dem Du noch das Gefühl hast, etwas in der Hand zu haben. Alles andere gibst Du ab. Bei Bulimie und Binge Eating ist es häufig so, dass der Essanfall abends kommt, nachdem Du den ganzen Tag Ja gesagt hast, obwohl Du Nein gemeint hast. Du schluckst alles runter und irgendwann bricht es raus.
Diese Verbindung ist kein Zufall. Wenn Du Deine Bedürfnisse nicht kennst oder nicht aussprichst, braucht das Gefühl ein Ventil. Und die Essstörung bietet sich dafür an.
Ich habe das jahrelang so gemacht. Immer Ja gesagt. Zu allem. Zu jedem. Weil ich Angst hatte, nicht gemocht zu werden. Weil ich Angst vor Konflikten hatte. Und jedes Mal, wenn ich meine eigenen Bedürfnisse runtergeschluckt habe, wurde die Essstörung lauter.
Warum Nein sagen Deine Recovery stärkt
Auf dem Heilungsweg lernst Du Dich selbst kennen. Vielleicht zum ersten Mal. Du fängst an zu spüren, was Du eigentlich willst. Was Dir guttut und was nicht. Und irgendwann kommt der Moment, in dem Du das erste Mal Nein sagst, wo Du früher geschwiegen hättest.
Das fühlt sich am Anfang total falsch an. Ich weiß das. Bei mir hat es sich falsch angefühlt, fast wie ein Fehler. Aber stell Dir mal die andere Seite vor. Deine beste Freundin plant etwas mit Dir und sagt Ja, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes möchte. Du findest das irgendwann heraus. Würdest Du denken, wie toll, dass sie sich für mich verstellt hat? Oder würdest Du Dir wünschen, dass sie ehrlich gewesen wäre? Dass ihr gemeinsam einen Kompromiss gefunden hättet?
Der Zusammenhang ist kein Zufall. Frauen, die sich ständig anpassen und ihre eigenen Bedürfnisse unterdrücken, zeigen deutlich mehr Essstörungssymptome.
Genau so geht es auch den Menschen in Deinem Leben. Die meisten wünschen sich, dass Du ehrlich bist. Und wenn jemand Dein Nein nicht aushält, dann sagt das mehr über diese Person als über Dich.
Wenn Du merkst, dass Du anfängst, Deine Grenzen zu spüren und auszusprechen, dann verändert sich nicht nur Deine Beziehung zu anderen. Es verändert sich auch Deine Beziehung zu Dir selbst. Und damit auch Deine Beziehung zum Essen. Denn je weniger Du runterschluckst, was Du eigentlich sagen willst, desto weniger braucht Dein Körper ein anderes Ventil dafür.
Dein Mini-Schritt für heute: Achte diese Woche auf einen Moment, in dem Du Ja sagen willst, aber eigentlich Nein meinst. Du musst es nicht sofort aussprechen. Aber nimm wahr, dass es da ist. Das Wahrnehmen ist der erste Schritt.
Tiefere Beziehungen: Wenn Du aufhörst, Dich zu verstecken
In der Essstörung lügst Du. Nicht, weil Du ein schlechter Mensch bist. Sondern weil Du glaubst, dass die Wahrheit nicht auszuhalten wäre. Du sagst, Du hast schon gegessen, obwohl Du nichts gegessen hast. Du sagst, Dir geht es gut, obwohl Du gerade innerlich zusammenbrichst. Du ziehst Dich zurück, sagst Treffen ab, meidest Situationen, in denen Essen eine Rolle spielt. Und mit der Zeit werden Deine Beziehungen flach.
Das passiert schleichend. Du merkst es nicht sofort, aber irgendwann sind die Gespräche nur noch oberflächlich. Du gibst nichts mehr von Dir preis, weil Du Angst hast, dass jemand hinter die Fassade schaut. Und Dein Umfeld spürt das. Manche ziehen sich zurück. Andere hören auf, sich zu melden. Und Du denkst, das bestätigt ja nur, dass Du niemandem zumuten kannst, wie Du wirklich bist.
Bei Bulimie und Binge Eating kommt noch etwas dazu. Die Scham nach einem Essanfall ist so groß, dass Du Dich am liebsten von der ganzen Welt verstecken willst. Du fühlst Dich aufgebläht, unwohl, verurteilst Dich selbst und kannst Dir nicht vorstellen, dass jemand Dich in diesem Zustand mögen könnte. Also bleibst Du allein. Und die Einsamkeit füttert den nächsten Essanfall.
Ich habe mich jahrelang hinter einer Version von mir versteckt, von der ich dachte, dass sie den anderen gefällt. Ich habe mich angepasst, mich verstellt und dabei komplett den Kontakt zu mir selbst verloren. Wie soll ich ehrliche Beziehungen führen, wenn ich nicht mal ehrlich zu mir selbst bin?
Weniger Freunde, aber echte
Wenn Du anfängst, Deine Essstörung loszulassen, passiert etwas mit Deinen Beziehungen. Manche werden tiefer. Und manche fallen weg. Beides gehört dazu.
Ich kann heute Gespräche führen, die wirklich in die Tiefe gehen. Keine oberflächlichen Unterhaltungen mehr, bei denen ich die ganze Zeit innerlich woanders bin. Und weißt Du, was ich gemerkt habe? Meine Freundinnen mögen mich auch, wenn ich zugenommen habe. Auch, wenn ich mal meine Meinung sage und wenn ich nicht perfekt bin. Das wäre für mich früher undenkbar gewesen.
Wenn Du merkst, dass Gespräche ehrlicher werden und Du Dich weniger versteckst, dann ist das Recovery. In der Essstörung fallen Menschen weg, weil Du Dich versteckst. Während der Recovery fallen manchmal Menschen weg, weil Du Dich zeigst. Und vielleicht tut das weh. Aber die Beziehungen, die bleiben oder neu entstehen, die tragen Dich. Weil Du, Du selbst bist und nicht irgendeine Fassade.
Dein Mini-Schritt für heute: Überlege, mit welcher Person Du Dich so zeigen kannst, wie Du wirklich bist. Vielleicht gibt es diesen Menschen schon. Vielleicht traust Du Dich diese Woche, in einem Gespräch ehrlicher zu sein als sonst.
Spontanität und Spaß: Wenn das Leben wieder leicht wird
In der Essstörung gibt es wenig Spaß. Nicht, weil Du keinen Spaß haben willst. Sondern weil die Essstörung Dir jeden unbeschwerten Moment nimmt. Du gehst mit Freundinnen zur Eisdiele und bist eigentlich motiviert. Aber kaum hast Du das Eis in der Hand, meldet sich die ES-Stimme. Der Spaß ist vorbei.
Du kannst nicht spontan sein. Du kannst nicht einfach mal irgendwo essen gehen, ohne vorher die Speisekarte zu checken. Du kannst kein spontanes Stück Kuchen annehmen, ohne innerlich in Panik zu geraten. Alles muss geplant, kontrolliert und abgesichert sein. Diese Rigidität frisst Dir die Leichtigkeit aus dem Leben.
Das gilt für alle Formen. Bei Magersucht sind es die starren Regeln, die keinen Spielraum lassen. Bei Bulimie ist es die Angst, dass jede ungeplante Mahlzeit einen Essanfall auslösen könnte. Bei Binge Eating ist es die Scham, die Dich davon abhält, überhaupt in Situationen zu gehen, in denen Essen eine Rolle spielt.
Ich habe das lange für normal gehalten. Dass man eben nicht spontan sein kann. Ich dachte, ich muss halt immer vorher wissen, was es zu essen gibt. Und ich sage halt Einladungen ab, weil ich nicht weiß, was auf den Tisch kommt. Ich dachte mir damals, so bin ich halt.
Nachtisch aufs Haus
Heute bin ich das Gegenteil. Ich bin so spontan, dass es mich selbst manchmal überrascht. Es ist mir egal, wo wir essen gehen. Wenn auf einmal ein Nachtisch aufs Haus kommt, weil wir Stammgäste sind, esse ich ihn einfach. Ohne Panik, ohne Berechnung, ohne schlechtes Gewissen danach.
Das hätte ich früher nie gekonnt. Nie. Ein spontaner Nachtisch? Das wäre für mich eine Katastrophe gewesen. Heute ist es einfach ein schöner Moment.
Und genau das sind die Zeichen, die Dir zeigen, dass sich etwas verändert. Nicht die großen Durchbrüche. Sondern die kleinen Momente, in denen Du merkst, dass die Regeln leiser werden. Dass Du etwas essen kannst, was nicht geplant war, und die Welt geht nicht unter. Dass Du wieder lachen kannst, ohne dass die Essstörung dazwischenfunkt.
Je weiter Du auf Deinem Weg kommst, desto mehr dieser Momente wirst Du haben. Die Regeln und Verbote werden weniger. Und an ihre Stelle treten Freude und Leichtigkeit. Nicht perfekt. Nicht jeden Tag. Aber immer öfter.
Dein Mini-Schritt für heute: Denk an den letzten Moment, in dem Du etwas Ungeplantes gegessen oder etwas Spontanes gemacht hast, ohne dass die Essstörung danach stundenlang laut wurde. Vielleicht war es nur ein kurzer Moment. Aber er war da. Und er zählt.
Deine Recovery ist mehr als eine Zahl auf der Waage
Vielleicht hast Du Dich beim Lesen in dem einen oder anderen Punkt wiedererkannt. Vielleicht schläfst Du manchmal schon etwas besser. Oder Du hast letzte Woche zum ersten Mal Nein gesagt.
Das sind keine Kleinigkeiten. Das ist Heilung.
Wir sind so trainiert, Fortschritte an Zahlen zu messen. An der Waage, an Kalorien, an Kleidergrößen. Aber die Veränderungen, die wirklich zählen, lassen sich nicht wiegen. Sie zeigen sich darin, wie Du schläfst. Wie präsent Du bist. Ob Du Deine Grenzen spürst. Wie ehrlich Deine Beziehungen sind. Und ob Du wieder lachen kannst, ohne dass im Hintergrund jemand mitrechnet.
Ich weiß, dass es Tage gibt, an denen sich das alles weit weg anfühlt. Tage, an denen die Essstörung lauter ist als alles andere. Doch sie werden seltener und die Tage, an denen sich das Leben leicht anfühlt, werden mehr.
Schau, wo Du gestartet bist und dann schau, wo Du jetzt stehst. Lies alte Tagebucheinträge durch, wenn Du welche hast. Schreib Deine Erfolge auf, auch die winzigen. Manchmal sehen wir unsere eigenen Fortschritte erst, wenn wir sie bewusst suchen.
Manchmal braucht es jemanden, der gemeinsam mit Dir hinschaut. Der die Fortschritte sieht, die Du selbst noch nicht sehen kannst und der dann mit Dir den nächsten Schritt findet. Falls Du spürst, dass das gerade dran ist, dann lass uns sprechen. In einem kostenfreien Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo Du stehst und was Dein nächster Schritt sein könnte.
Wenn Du einmal angefangen hast, trägst Du das in Dir. Auch an schweren Tagen. Aber die leichteren, die schöneren, die spontaneren werden immer mehr.
Mach Dir Deine Fortschritte bewusst. Du bist vielleicht weiter, als Du denkst.
Alles Liebe, Deine Janina
„Der menschliche Körper ist das beste Bild der menschlichen Seele.„
Ludwig Wittgenstein (Philosoph)
FAQs
Das ist bei jeder Frau unterschiedlich. Manche bemerken nach wenigen Wochen, dass sie besser schlafen oder weniger ans Essen denken. Bei anderen dauert es Monate. Entscheidend ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Richtung. Wenn Du den Artikel gelesen hast und Dich in auch nur einem Punkt wiedererkennst, bist Du bereits auf dem Weg.
Lies alte Tagebucheinträge oder Nachrichten von vor ein paar Monaten durch. Oft stecken wir so tief im Alltag, dass wir Veränderungen nicht wahrnehmen. Es kann auch helfen, eine Vertrauensperson zu fragen, ob sie Veränderungen an Dir bemerkt hat. Manchmal sehen andere klarer, was sich bei uns verändert.
Ja. Recovery ist kein Schalter, der umgelegt wird. Es ist ein Prozess. Du kannst gleichzeitig noch mit der Essstörung kämpfen und trotzdem Fortschritte machen. Vielleicht hast Du letzte Woche einmal besser geschlafen oder einmal Nein gesagt. Das zählt, auch wenn der nächste Tag wieder schwer war.
Ja. Egal ob Magersucht, Bulimie oder Binge Eating. Besserer Schlaf, weniger Gedankenkreisen, Grenzen setzen, ehrlichere Beziehungen und mehr Spontanität sind bei allen Formen Zeichen von Fortschritt. Die Essstörung zeigt sich unterschiedlich, aber der Heilungsweg hat viele Gemeinsamkeiten.
Ja, absolut. „Du siehst gesund aus“ kann sich anfühlen wie „Du hast zugenommen“, auch wenn es anders gemeint ist. Du darfst kommunizieren, welche Kommentare Dir helfen und welche nicht. Das ist Selbstfürsorge.
Quellenverzeichnis des Artikels:
Bachner-Melman, R., Watermann, Y., Lev-Ari, L., & Zohar, A. H. (2022). Associations of self-repression with disordered eating and symptoms of other psychopathologies for men and women. Journal of Eating Disorders, 10, 41. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8935791/
Degasperi, G., Meneo, D., Curati, S., Cardi, V., Baglioni, C., & Cellini, N. (2024). Sleep quality in eating disorders: A systematic review and meta-analysis. Sleep Medicine Reviews, 77, 101969. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38959584/
Grilo, C. M., Ivezaj, V., & Gueorguieva, R. (2024). Overvaluation of shape/weight at posttreatment predicts relapse at 12-month follow-up after successful behaviorally-based treatment of binge-eating disorder. International Journal of Eating Disorders, 57(5), 1268–1273. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11093697/
Smith, K. E., Mason, T. B., & Lavender, J. M. (2018). Rumination and eating disorder psychopathology: A meta-analysis. Clinical Psychology Review, 61, 9–23. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6462404/
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