Fressanfälle, wenn das Essen ein Problem ist

06.07.2022

Fressanfälle treten häufig nach Diäten, langem Fasten oder einer Magersucht auf. Im Falle der Magersucht rutschen viele Betroffene in eine Bulimie (so wie ich damals) oder ins Binge Eating, weil sie den Hunger nicht mehr aushalten. Jedoch ist das ursächliche Problem häufig nicht aufgelöst. Dadurch wird zum Beispiel die Gewichtszunahme psychisch nicht verkraftet. So rutscht man dann einfach weiter in die nächste Essstörung.

Ich bekomme viele Fragen von Betroffenen zu dem Thema wie zum Beispiel: „Wie kann ich meine Fressattacken stoppen?“ „Warum habe ich Fressanfälle?“ „Sind Fressanfälle normal?“ „Was soll man tun, wenn man einen Fressanfall hatte?“ „Wie bekomme ich mein emotionales Essen in den Griff?“ Daher möchte ich dieses Thema in meinem heutigen Artikel aufgreifen.

Durch meine lange Zeit in der Magersucht kenne ich die Phase der Dauer-Diät sehr gut. Aus dieser Zeit weiß ich noch sehr genau, wie groß mein schlechtes Gewissen war, wenn ich mal ein Lebensmittel gegessen habe, dass sonst für mich „verboten“ war. Da ich im Anschluss an meine Magersucht in die Bulimie gerutscht bin, weiß ich genauso gut, wie belastend wiederkehrende Fressattacken sein können.

Damit Du diese Negativspirale verlassen kannst, möchte ich in diesem Artikel beschreiben, was ich alles gemacht habe, um Dir zu zeigen, wie Du es auch schaffen kannst.

Ich kann Dir aus eigner Erfahrung sagen, wenn Du die Probleme mit dem Essen hinter Dir lässt, Dich wieder intuitiv ernähren kannst und ohne Reue Dein Essen genießt, ist es einfach nur befreiend.

Fressanfälle, Essstörung oder einfach nur mehr gegessen?

Ich denke, jede hat schon einmal über die Stränge geschlagen. Damit wir uns richtig verstehen, nur weil Du mal über Deinen Hunger hinaus gegessen hast, leidest Du nicht unter einer Essstörung. Somit stellt sich nur die Frage, wann ist es denn im „Rahmen“ und wann ist es ein Fressanfall, dem eine Essstörung oder zumindest ein größeres Problem zugrunde liegt?

Grundsätzlich ist das Essen nicht das Problem bei einer Essstörung oder häufigen Essattacken. Das Essen ist lediglich das Symptom (Ansonsten könntest Du ja einfach wieder „normal essen“ wie zum Beispiel in der Minnie Maud Methode praktiziert wird). Das heißt, Du kompensierst mit den Fressanfällen ein tieferliegendes psychisches/emotionales Problem. Dies ist zum Beispiel auch bei der Magersucht so, nur dass hier das Essen weitestgehend vermieden wird.

Somit liegt bei jeder Essstörung ein psychisches/emotionales Problem vor. Dies ist auch der Grund, warum viele von einer Magersucht in die Bulimie oder ins Binge Eating rutschen. Die psychische oder emotionale Ursache ist noch nicht verheilt oder verarbeitet. 

Damit das Ganze ein bisschen konkreter wird, mach ich Dir mal ein Beispiel, wenn Du mit Freunden oder Familie beim All-You-Can-Eat, im Urlaub oder auf einer Feier mal über Deinen Hunger isst, ist das absolut normal. Das ist kein Anzeichen für ein psychisches/emotionales Problem. Genau so wenig für eine Essstörung. Das macht jeder mal und jeder fühlt sich danach vielleicht nicht super. Allerdings vergeht das Völlegefühl wieder. Außerdem hat es auch keine Auswirkungen auf Deine Figur oder Deine Gesundheit.

Ab wann werden Fressanfälle problematisch?

Fressanfälle durch Fastfood?

Nachfolgend möchte ich Dir ein paar Anzeichen auflisten, die zeigen können, dass Du vielleicht ein größeres Problem mit dem Essen hast. Das heißt, diese können ein Hinweis sein, dass Du das Essen nutzt, um tiefere Probleme zu überlagern. Sofern diese Punkte auf Dich zu treffen, ist es wahrscheinlich nicht mal mehr essen. Dann solltest Du bei Dir mal genauer hinschauen, ob es vielleicht ein größeres Problem gibt. Da ist es auch vollkommen in Ordnung, sich Unterstützung zu suchen.

  • Du genießt das Essen nicht, sondern schlingst es einfach nur herunter.
  • Nach einem Fressanfall hast Du sehr große Schuld- und Schamgefühle.
  • Du kaufst und isst für Deine Fressanfälle Lebensmittel, die sonst „verboten“ sind oder die Du sonst vermeidest.
  • Du kannst Dich vielleicht nach dem Fressanfall nicht mehr richtig erinnern, was Du gegessen hast.
  • Deine Essattacke lief wie „ferngesteuert“ oder in „Trance“ ab.
  • Du fühlst Dich schlecht und machst Dir zusätzlich selbst schwere Vorwürfe, wie Du so undiszipliniert sein konntest.
  • Nach dem Essanfall planst Du eine Diät, eine längere Fastenphase oder betreibst exzessiv Sport, um diesen zu kompensieren.
  • Du isst heimlich allein zu Hause große Mengen Süßigkeiten, die Du Dir extra gekauft und kannst nicht aufhören, bevor alles auf ist

Solltest Du diese Probleme allein nicht in den Griff bekommen, ist es wichtig, Dir Hilfe zu holen.

In meinen Artikel „Binge Eating ernsthafte Erkrankung oder kleines Problemchen?“ gebe ich einen genaueren Überblick für Anzeichen des Binge Eating.

Was sind die Ursachen für Fressanfälle?

Wie zuvor schon beschrieben, können hinter Essattacken psychische Ursachen stecken, die Du so versuchst zu kompensieren. Daher ist es wichtig, diese tieferliegenden Ursachen und emotionalen Verletzungen aufzuarbeiten. Sobald Du diese Ursachen erkannt hast, kannst Du sie auflösen und werden die Fressanfälle verschwinden. Dies ist allein nicht unbedingt möglich, daher solltest Du nicht zögern, Dir Hilfe zu holen.

Darüber hinaus gibt es weitere Punkte, die zu Essattacken führen können. Solltest Du zum Beispiel zu wenig essen, steuert Dein Körper mit Heißhungerattacken dagegen. Hast Du zum Beispiel häufig Fressanfälle nach dem Fasten? Dann solltest Du regelmäßig essen und keine längere Fastenphase haben. Vielleicht hast Du auch abends oder nachts Fressanfälle? Dann solltest Du Dir anschauen, ob Du auch wirklich genug über den Tag isst.

Sofern Du viel Sport machst, ist es auch wichtig, viel zu essen. Du kannst nicht essen wie eine „normale Person“ und trainieren wie eine Profisportlerin“. Falls Du viel trainierst, ist es wichtig, viel zu essen. Andernfalls kann dies zu Heißhunger und Essattacken kommen.

Fressattacken endlich stoppen

Du möchtest, dass Deine Fressattacken endlich aufhören? Dann möchte ich Dir nachfolgend noch ein paar Tipps mit an die Hand geben.

Intuitive Ernährung

Der erste Schritt ist, Deine ganzen „Diät-Gedanken“ loszuwerden. Merke Dir, dass Du niemals eine Diät halten musst. Außerdem solltest Du keine Kalorien zählen, da Dein Körper genau weiß, was Du brauchst. Du solltest Dir einmal klar machen, dass Du nicht aussehen musst wie ein Photoshop-Model.

Darüber hinaus ist kein Lebensmittel schlecht. Du benötigst auch alle Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß) und solltest auf keine verzichten. Denn Ernährung ist nicht schwer, einfach ein bisschen Bewegung und nährstoffreich essen. Das ist im Prinzip alles.
Achso noch mal, damit es klar ist: „Kein Lebensmittel ist verboten!“. Denn Verbote führen zu noch größerem Verlangen und zu Heißhunger. Dieser kann dann zu einem Fressanfall führen.

Eine genaue Anleitung zum intuitiven Essen findest Du in meinem Artikel: „Lerne, wie Du Dich wieder intuitiv ernähren kannst.“

Kein Lebensmittel ist schlecht

Ich habe es zwar schon zuvor geschrieben, da es so wichtig ist, möchte ich es hier noch ein bisschen weiter ausführen. Also klar Du kannst lange genug suchen, dann findest Du an allem irgendetwas, was vielleicht nicht so gut ist. Die Welt ist nicht schwarz und weiß. Das heißt nicht alles ist entweder gut oder schlecht.

Ist Wasser gut? Ist Wasser gesund? Du denkst ja? Wird auch überall geschrieben. Natürlich ist Wasser lebenswichtig für uns. Trotzdem kannst Du daran sterben. Sterben? Ja, genau! Wenn Du in zu kurzer Zeit zu viel Wasser trinkst, stirbst Du (Quelle)!

Solltest Du jetzt kein Wasser mehr trinken, weil Du daran sterben kannst? Wahrscheinlich fragst Du Dich, ob ich bescheuert bin. Wenn man kein Wasser hätte, würde man ja auch sterben…

Das kannst Du auch auf Lebensmittel beziehen. Kein Lebensmittel ist gut oder schlecht. Es ist einfach ein Lebensmittel. Das heißt, es ist dazu da, Deinen Körper zu ernähren. Für nichts anderes. Also mach Dir das Leben nicht unnötig schwer und stell Dir 1000 Regeln auf, wie zum Beispiel: „Schokolade gibt es nur zwei Mal im Jahr“. „Das erste Mal 7 Gramm am 03. August um 20:12 Uhr und das zweite Mal am 23. November um 17:23 Uhr noch mal 8,7 Gramm. Solche Regeln führen zu Fressattacken.

Also nochmal Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß sind alle wichtige Makronährstoffe. Du solltest auf keinen verzichten, um es nochmal klar zu sagen.

Körperlicher Hunger oder emotionaler?

Es ist sehr wichtig, dass Du genau auf Dich hörst. Das heißt frage Dich, ob es sich bei Deinem Hunger um körperlichen oder emotionalen Hunger handelt. Denn wenn Du zum Beispiel gerade einfach eine sehr stressige Zeit hast, solltest Du Dir vielleicht einfach mal wieder etwas Ruhe gönnen, anstatt zu essen. Solltest Du Dir keine Ruhe gönnen, sondern Schokolade gibt Dir das vielleicht kurzzeitig ein gutes Gefühl, jedoch löst es nicht das Problem. Daher wäre es eher förderlich, mal ein, zwei Stunden länger zu schlafen oder 30 Minuten am Tag zu meditieren. Dies würde Dein Stresslevel senken und der Hunger würde, sofern es emotionaler Hunger ist, vielleicht von allein weniger oder verschwinden. Solltest Du körperlichen Hunger haben, bringt schlafen und meditieren natürlich nichts, da solltest Du essen.

Dies ist nur ein kleines Beispiel. Es ist jedoch sehr wichtig, dass Du Dich selbst reflektierst. Dafür kann es helfen, wenn Du Dir vorstellst, Deine Situation aus einer Beobachterrolle heraus anzuschauen. So kannst Du vielleicht mit einer gewissen Distanz besser erkennen, was Du in einer Situation benötigst oder nach einer Essattacke herausfinden, was Du eigentlich benötigt hättest.

Dies erfordert Deine Bereitschaft an Dir selbst zu arbeiten und dies kann Dir niemand abnehmen.

Vermeide falsche Vorbilder

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Social Media und die Modeindustrie einen Einfluss auf junge Mädchen und Frauen haben. So wird bei vielen das Gefühl geweckt, sie müssten so aussehen wie ein Model. Doch ist das wirklich so?

Was willst Du denn überhaupt in Deinem Leben erreichen? Wie willst Du Dein Leben gestalten? Hast Du hierauf eine Antwort? Dann weißt Du genau, was Du willst und bist nicht zu beeinflussen.

Woher weißt Du zum Beispiel überhaupt, ob diese Models glücklich sind? Nur weil sie in Zeitschriften abgelichtet werden oder viele Follower auf Instagram haben? Das hat nichts zu bedeuten. Du solltest bedenken, auf Social Media bekommst Du immer nur einen kleinen Ausschnitt mit und nicht das ganze Leben. Du wärst überrascht, wie vielen es schlecht geht und wie viele auf Social Media eine heile Welt vorspielen.

Ist es denn nicht ausreichend, einen gesunden Körper zu haben? Wozu musst Du irgendeine bestimmte Figur oder Zahl auf der Waage erreichen? Möchtest Du ein Leben führen, in dem sich Deine Gedanken den ganzen Tag um essen, Training oder Diät drehen? Falls ja, mach das allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass Du dann ein glückliches Leben führst.

Abschluss

Das wichtigste ist, dass Du Dich nicht verurteilst für einen Fressanfall. Dadurch, dass Du Dich selbst fertigmachst, wird es garantiert nicht besser. Hier gilt es viel mehr, sich die Situation genau anzuschauen und versuchen aus der Situation zu lernen. Versuche aus jedem Vorfall etwas zu lernen. Dann überlege Dir, was Du hättest anders machen können. Was hättest Du tun können, damit es nicht so gekommen wäre? Dies kannst Du dann für Dich umsetzen und schauen, wie es funktioniert.

Falls Du allein nicht weiterkommst, darfst Du Dir gerne von mir Unterstützung holen. Solltest Du Dir unsicher sein, ob Du es allein schafft oder Hilfe benötigst, können wir gerne unverbindlichen sprechen und gemeinsam entscheiden, was für Dich der nächste Schritt ist. Also zögere nicht, Dich bei mir zu melden. Denn es ist keine Schwäche, um Hilfe zu bitte, sondern eine Stärke.

Das wichtigste ist, das Du Deine Fressanfälle oder Essstörung wirklich loswerden möchtest. Wenn Du den Willen hast und bereit bist, die nötigen Schritte zu gehen, dann kannst Du es auch schaffen.

Liebe Grüße
Deine Janina

„Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen Windmühlen.“

Chinesisches Sprichwort

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