4 Gründe weshalb Du noch in der Essstörung bist

Kategorie: Essstörung

Datum: 28.04.2023

Essstörungen sind Krankheiten, die sich in den letzten Jahren weit verbreitet haben und insbesondere im Rahmen der Corona-Pandemie noch weiter angestiegen sind. Von Essstörungen sind Frauen und Mädchen genauso betroffen wie Männer und Jungen. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass deutlich mehr Frauen als Männer an Essstörungen leiden.

In den letzten Jahren ist auch das Bewusstsein für Essstörungen gestiegen und es gibt auch immer mehr Behandlungsmöglichkeiten. Doch es kämpfen trotzdem viele Frauen darum, ihre Essstörung zu überwinden. In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, wieso einigen Frauen Schwierigkeiten haben, ihre Essstörung zu überwinden und wie sie sich selbst helfen können, um auf dem Weg der Genesung weitere Fortschritte zu machen.

Möglicherweise ist es bei Dir gerade so, dass Du Dich entschlossen hast, Deine Essstörung endlich hinter Dir zu lassen. Vielleicht bist Du aber auch schon auf dem Heilungsweg und hast das Gefühl keine Fortschritte zu machen oder weißt Du einfach nicht, wie Du weitermachen sollst?

Dann findest Du nachfolgend 4 Gründe, die dafür verantwortlich sein können, dass Du es bisher noch nicht aus der Essstörung geschafft hast.

1. Du hast Angst.

4 Gründe, warum du es noch nicht aus der Essstörung geschafft hast

Das klingt vielleicht für Dich im ersten Moment unlogisch und möglicherweise denkst Du, ich habe doch keine Angst gesund zu werden, sondern Angst es nicht so schaffen. Doch lass es mich Dir erklären, denn bei mir war es früher genau so.

Ich kann Dir heute rückblickend sagen, dass ich früher extreme Angst hatte, damals habe ich es mir nicht eingestehen können, hätte ich das gekonnt, wäre ich viel schneller aus der Essstörung herausgekommen. Damals habe ich auch nach außen gesagt, ich möchte gesund werden und das wollte ich auch auf eine Art und Weise, jedoch wollte ein Teil von mir es auf eine Art und Weise nicht. Das Ganze klingt vielleicht nicht logisch, doch wir sind auch keine logischen Wesen, sondern emotionale. 

Zu dieser Zeit war ich innerlich einfach tief zerrissen und die Essstörung gab mir auf eine Art und Weise eine Sicherheit und war für mich eine Überlebensstrategie, die für mich funktionierte. Natürlich war sie nicht optimal, aber ich hatte Angst, mir Fragen wie „Wer bin ich ohne die ES” zu stellen (Hier kannst Du Dir meine Geschichte anhören).

Doch heute kann ich Dir sagen, dass die Überwindung dieser Angst vor dem Neuen nichts Schlimmes ist, sondern der Wegweiser für persönliches Wachstum. Ich bin so froh, dass ich mich so gut kennengelernt habe in den letzten Jahren und diese Reise zu sich selbst ist eine der schönsten und ich wünsche sie mir für jede, die diese Zeilen hier liest.

Weißt Du, wer Du bist?

Wahrscheinlich weißt Du aktuell auch nicht genau, wer Du ohne die ES bist oder Du kannst Dich auf sie verlassen und sie ist immer zur Stelle, wenn es Dir nicht gut geht. Doch genau dadurch ist die ES mittlerweile auch zu einer Art Komfortzone geworden und unsere Komfortzone zu verlassen ist immer mit Angst verbunden. Doch damit Du die Essstörung überwinden kannst, musst Du trotz dieser Angst handeln und die nötigen Schritte gehen.

Dadurch wirst Du Dich neu kennenlernen und Du wirst herausfinden, was Du wirklich willst und was Dich glücklich macht. 

Mir hat es früher geholfen, mir eine Liste zu machen, auf die ich geschrieben habe, wofür es sich lohnen würde, die Essstörung zu überwinden. Vielleicht wäre es für Dich auch hilfreich?

Sobald Du diese Liste hast, kämpfe für diese Dinge und für DICH. Dabei musst Du manchmal auch durch Deine Angst gehen, um ein leichteres Leben führen zu können. Das ist es doch, was Du möchtest, oder?

Also traue Dich und lasse die Angst hinter Dir.

2. Du hängst in Deiner Opferrolle fest.

Dies mag für einige vielleicht ein wenig hart klingen, doch ich kenne es aus meiner eigenen Erfahrung und hing selbst jahrelang in der Opferrolle fest. Damit Du es aus dieser heraus schaffen kannst, musst Du es Dir natürlich selbst auch eingestehen. Ich möchte Dir nur die Gründe aufzeigen, wieso Du es möglicherweise bisher noch nicht geschafft hast.

Doch was ist die Opferrolle oder was sind typische Gedanken, an denen Du erkennst, dass Du in der Opferrolle bist? Denkst Du manchmal, dass Du ein hoffnungsloser Fall bist? Dass Deine Essstörung Dein Schicksal ist oder sobald Du zunimmst Dich keiner mehr mögen wird?

Vielleicht hast Du es jetzt beim Lesen gemerkt, dass Du bei diesen Gedanken schon in der Opferrolle bist. Denn jeder ist für sein eigenes Leben verantwortlich. Das heißt im Umkehrschluss, niemand ist ein hoffnungsloser Fall und die Essstörung ist garantiert nicht Dein Schicksal.

Das kann ich Dir sagen, da ich mich gut daran erinnern kann, dass ich auch dieses Denken hatte.

Ich bin davon ausgegangen, dass ich die Essstörung niemals loswerden würde. Schließlich war die Essstörung 12 Jahre lang mein Begleiter. Doch mittlerweile habe ich es nicht nur selbst geschafft, sondern auch schon so vielen wunderbaren Frauen zu einem freieren und glücklicheren Leben ohne Essstörung verholfen. (Höre hier die Geschichten von anderen Frauen, die es geschafft haben, ihre Essstörung zu überwinden).

Somit kann ich Dir sagen, dass solche Gedanken absoluter Schwachsinn ist. Daher verlass die Opferperspektive und nimm Dein Leben selbst in die Hand. Dafür musst Du natürlich Deine Gedanken und Deine Denkweise ändern. Denn weder die Vergangenheit, noch die Zukunft bestimmen Dein Leben, sondern es gibt nur das Hier und Jetzt.

3. Du verurteilst Dich für Deine Rückfälle.

4 Gründe warum du es noch nicht aus der Essstörung geschafft hast. Lebensleichter sitzt vor ihren Süßigkeiten und ist verzweifelt.

Denkst Du, dass Du Dich dafür entscheidest, gesund zu werden und von da ab an, wird es Dir jeden Tag besser gehen und Du wirst keine Rückfälle mehr haben? Dann lies unbedingt weiter.

Bist Du enttäuscht, wenn Du einen Rückfall hast oder schämst Dich? Dann lass mich ehrlich zu Dir sein, dies ist Teil des Prozesses. In der Recovery gehören Rückfälle leider dazu. Ich möchte Dir nichts vormachen, aber so ist es bedauerlicherweise nicht. Du wirst wie jeder andere vor Dir auf Deinem Heilungsweg neben den guten Tagen auch schlechte Tage haben.

Allerdings entscheidet es sich nicht an den guten, sondern an den schlechten Tagen, ob Du es schaffen wirst. Denn an den schlechten Tagen weiß man oft einfach nicht mehr weiter, ist verzweifelt und kraftlos. Zusätzlich kommt oftmals die Frage auf, warum man sich das eigentlich antut? 

Schließlich könnte man doch so einfach wieder in seine Komfortzone zurückkehren. Die Essstörung. Doch das ist der leichte Weg und das ist der Grund, warum ich geschrieben habe, dass es sich an den schlechten Tagen entscheidet, ob Du es aus der Essstörung schaffst.

Daher lass Dich an Deinen schlechten Tagen nicht runterziehen, sondern akzeptiere es. Schließlich war es bei allen anderen, die es aus der Essstörung geschafft haben, genauso und es ist vollkommen ok, dass nicht alle Tage gut sind. 

Dabei darfst Du auch weinen, wütend sein oder schlecht gelaunt sein. Denn alle Gefühle haben ihre Berechtigung und kein Gefühl ist besser oder schlechter und schon gar nicht „falsch“. 

Somit nehme Rückfälle als Wegweiser wahr, die Dir einfach nur zeigen, dass noch etwas Arbeit nötig ist und die Dir zeigen können, wo Deine Schwachstellen sind.

4. Du nimmst Dir keine Zeit für Dich!

Nimmst Du Dir jeden Tag Zeit für Dich? Hast Du Dich und Deine Gesundheit zur Priorität gemacht? 

Falls Du glaubst, dass die Recovery nebenbei läuft und Du Dich zwischendurch mal damit beschäftigen kannst, wenn Du gerade Zeit hast, dann liegst Du damit komplett falsch.

Du willst All in für Deine Recovery gehen? Dann musst du dich zur obersten Priorität machen.Alles andere kommt an zweiter, wenn nicht sogar dritter Stelle. Ich möchte, dass Du verstehst, dass es einfach so unglaublich wichtig ist, dass Du Dir Zeit für Dich nimmst und Dich mit Dir auseinandersetzt. Ich weiß genau wie schwer das ist, denn bei mir war es wie bei den meisten Betroffenen so, dass ich schlecht Nein sagen konnte und mich meist nach den anderen gerichtet habe.

Doch damit muss in der Recovery Schluss sein. In Deiner Recovery gilt es darauf zu hören, was Dir guttut. Dafür musst Du natürlich lernen, Nein zu sagen und Deine Bedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Das bedeutet auch, dass sobald Du etwas nicht möchtest, dieses zu kommunizieren.

Damit es etwas klarer wird, ein simples Beispiel: Dir ist nach einem ruhigen Abend vor dem Fernseher, anstatt durch die Bars zu ziehen? Dieses Bedürfnis darfst Du wahrnehmen und umsetzen. In der Kommunikation bist Du einfach ehrlich zu Deinen Freunden und sagte ihnen, dass Du heute nicht durch die Bars ziehen möchtest. 

Du weißt nie was passiert, vielleicht haben Deine Freunde auch viel mehr Lust auf einen Abend vor dem Fernseher und ihr habt dort zusammen einen spaßigen Abend. Sollten sie keine Lust haben, verbringt jeder den Abend so, wie er ihm am besten gefällt und beim nächsten Mal macht ihr wieder was gemeinsam, worauf alle Lust haben.

Damit Du Deine Essstörung überwinden kannst, lege also Wert darauf, dass Du Dir alle Zeit nimmst, die Du brauchst, um gesund zu werden. Es ist das Wichtigste, dass Du gesund wirst, das sollte Deine oberste Priorität sein.

Fazit & Strategien:

Nachfolgend und abschließend ein kurzes Fazit und ein paar Strategien, wenn Du mal wieder einen schlechten Tag hast oder negative Emotionen verspürst.

Der Heilungsweg ist oftmals nicht leicht und es geht niemals nur bergauf, sondern es gibt immer Hindernisse, die es zu überwinden gilt. Oftmals hilft es schon ein paar simple Strategien an der Hand zu haben, um schwierige Momente oder Situationen besser zu verstehen.

Strategien zum Umgang mit schwierigen Emotionen:

  • Atemtechniken: Durch gezielte Atemübungen kannst Du Deine Atmung regulieren und somit Deine Emotionen beeinflussen. Probiere doch einmal die 4-7-8 Atmung aus. Hierbei atmest Du vier Sekunden ein, dann hältst Du den Atem für sieben Sekunden an und schließlich atmest Du für 8 Sekunden aus. Diese Übung kannst Du überall durchführen, da es niemand mitbekommt und Du keinerlei Hilfsmittel benötigst.
  • Selbstmitgefühl: Durch Selbstmitgefühl kannst Du langfristig lernen, mit schwierigen Emotionen umzugehen. Hierzu habe ich einen separaten Blog-Artikel geschrieben, wenn Dich diese Strategie tiefer interessiert.

Probiere diese Tools aus und schreibe mir, wie sie Dir geholfen haben. Natürlich kann es sein, dass diese Strategien nicht für Dich passen, da jeder Mensch unterschiedlich ist. Daher muss man ein wenig rumexperimentieren. Wenn Dir diese Tools nicht helfen, schreib mir bei WhatsApp und ich gebe Dir eine andere Strategie.

Alles Liebe.

Deine Janina

„Liebe das Leben, das Du lebst.

Lebe das Leben was Du liebst.“

Bob Marly

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