Kommt Dir das bekannt vor? Du kommst abends nach Hause, setzt Dich auf die Couch und auf einmal ist die Tüte Chips leer. Wieder. Du ärgerst Dich über Dich selbst, fühlst Dich schuldig und schwörst Dir, dass morgen alles anders wird. Doch morgen passiert genau das Gleiche.
Du versuchst tagsüber alles richtig zu machen. Du zählst Kalorien, verzichtest auf Kohlenhydrate, hältst Dich zurück. Aber sobald Du alleine bist, verlierst Du die Kontrolle. Die Essanfälle bestimmen Dein Leben. Du gleichst sie aus durch Sport, Erbrechen oder Fasten am nächsten Tag und hoffst, dass es irgendwann aufhört. Du denkst vielleicht sowas wie: „Ich weiß ja, was das Problem ist, also schaffe ich das auch alleine.“
Wiebke dachte das auch. Bis sie mir eine Mail schrieb, die Schoko-Bons-Tüte noch neben sich. Hier teilt sie ihre Geschichte. Du erfährst, was ihr wirklich geholfen hat, aus dem Binge-Eating auszubrechen. Und warum der erste Schritt nicht perfekt sein muss.
- Der Kreislauf ist real. Kontrolle, Essanfälle, Scham. Viele Frauen kennen das. Corona hat es bei vielen verstärkt. Auch bei Wiebke.
- Verstehen reicht nicht. Wiebke wusste, dass sie ein Problem hatte. Aber alleine rauskommen? Das ist etwas anderes. Der Wendepunkt kam, als sie sich Hilfe holte.
- Nur Symptome bekämpfen reicht nicht. Die Essanfälle waren nicht das eigentliche Problem. Sie waren die Reaktion auf etwas Tieferes. Erst die Arbeit an den Ursachen brachte echte Veränderung.
- Kleine Schritte zählen. Waage weglassen, App löschen, Fischstäbchen essen. Jeder dieser Schritte fühlte sich riesig an. Und war es auch.
- Hilfe holen ist Stärke. Wiebke sagt heute, es war das Beste, was sie je gemacht hat. Nicht das Einfachste. Aber das Beste.
Wiebkes Geschichte: Als die Stille kam
Im Januar 2020 begann Corona und für Wiebke, damals 26, brach alles auf. Vorher war sie ständig unterwegs, immer beschäftigt, immer abgelenkt. Dann wurde es still. Und in dieser Stille holte sie ein, was sie so lange übertönt hatte. Eine Erfahrung, die viele Menschen mit Essstörungen während der Pandemie teilten.
Eine große Übersichtsstudie aus dem Jahr 2022 hat sich genau das angeschaut und bestätigt, was Wiebke erlebt hat. Sie zeigte, dass besonders Essanfälle während der Lockdowns zunahmen. Die Stille, die fehlende Ablenkung, das Alleinsein. Dies wurde für viele zum Auslöser.
Tagsüber auf der Arbeit funktionierte Wiebke. Aß normal, hatte sich unter Kontrolle. Niemand merkte etwas. Doch sobald sie abends alleine war, begann der Kreislauf. Nach Hause kommen, direkt etwas essen, vor den Fernseher setzen. Und dann immer wieder aufstehen, Nachschub holen. Bis nichts mehr da war.
Am nächsten Morgen die Scham. Der Vorsatz, heute weniger zu essen. Die strenge Kontrolle bei jeder Kalorie. Bis sie wieder nach Hause kam. Und alles von vorne begann.
Der Moment, in dem sich alles änderte
Wiebke wusste, dass sie ein Problem hatte. Sie verstand es sogar. Aber verstehen und herauskommen sind zwei verschiedene Dinge.
Monatelang redete sie sich ein: „Ich schaffe das alleine.“ „Ich weiß ja, was falsch läuft.“ „Ich brauche keine Hilfe.“ Sie kannte meine Seite längst, hatte sich alles durchgelesen. Aber sich melden? Das fühlte sich an wie ein Eingeständnis, dass sie es nicht alleine hinbekommt.
Dann kam dieser eine Abend. Eine Freundin hatte Schoko-Bons dagelassen. Wiebke saß auf dem Sofa und stopfte sie in sich hinein. Ihre Worte, nicht meine. Als die Tüte leer war, saß sie da. Verzweifelt. Wütend auf sich selbst. Und dann schrieb sie mir eine Mail. Direkt aus diesem Moment heraus.
„Jetzt sitze ich hier neben den Schoko-Bons und die Tüte ist schon wieder leer.“
Das war keine perfekte Nachricht. Kein durchdachter Text. Nur pure Ehrlichkeit aus der Verzweiflung heraus. Und genau das war der erste Schritt.
Was im Coaching wirklich geholfen hat
Was Wiebke als Erstes half, war simpel. Denn es war jemand da, der sie verstand. Ohne zu urteilen. Ohne mit den Augen zu rollen. Einfach da sein und zuhören.
In den ersten Gesprächen erzählte sie mir alles. Konnte sich einmal alles von der Seele reden. Ich habe nicht bewertet, nicht belehrt. Das allein war für sie schon ein Unterschied.
Aber dann wurde klar, dass Wiebke nur eins wollte, nämlich die Essstörung loswerden. Das Symptom bekämpfen. Sie hatte nie nach dem Warum gefragt. Warum die Essanfälle? Warum abends? Warum dieser Drang?
Durch Reflexionsfragen und kleine Übungen, wie zum Beispiel das Aufschreiben, wann Essanfälle kamen und was davor passierte, stieß sie auf ihre Ursachen. Sie fing an, über sich selbst nachzudenken. Nicht nur über das Essen, sondern über alles dahinter. Sie fand Glaubenssätze wie „Ich bin nicht wichtig“ und „Ich bin kompliziert“. Sätze, die sie jahrelang mit sich herumgetragen hatte.
Wiebke wurde neugierig auf sich selbst, vielleicht zum ersten Mal seit Jahren. Und genau das machte den Unterschied. Sie verstand, dass die Essanfälle nicht das Problem waren. Sie waren nur die Reaktion auf etwas Tieferes.
Die größten Durchbrüche auf Wiebkes Weg
Wiebke stand jeden Tag auf der Waage. Sie trackte jede Kalorie in einer App. Sie wusste auswendig, wie viel ein Apfel hat, wie viel ein Stück Brot, also eigentlich für alle Lebensmittel. Dieses Wissen fühlte sich an wie Kontrolle. Aber es war ein Gefängnis. Eine Studie hat gezeigt, dass über 70 % der Befragten mit Essstörungen sagten, dass die App alles schlimmer gemacht hat. Nicht besser. Wiebke ging es genauso.
Als wir darüber sprachen, die Waage und die App loszulassen, hatte sie Angst. Echte Angst. Was, wenn sie komplett die Kontrolle verliert? Was, wenn sie zunimmt und es nicht merkt?
Sie hat es trotzdem gemacht. Nicht von heute auf morgen, sondern Schritt für Schritt. Und etwas Unerwartetes passierte: Die Welt brach nicht zusammen. Im Gegenteil. Der ständige Druck im Kopf wurde leiser. Aber das war nicht der einzige Durchbruch.
Da waren noch die verbotenen Lebensmittel. Kohlenhydrate waren für Wiebke ein absolutes No-Go. Im Restaurant mit Freunden bestellte sie vielleicht mal Pasta. Aber zu Hause? Niemals Nudeln kochen. Niemals einfach ein Brot schmieren. Das war undenkbar.
Im Coaching arbeiteten wir daran, diese Verbote aufzulösen. Und irgendwann machte sie sich Fischstäbchen mit Gewürzketchup. Ein Essen aus ihrer Kindheit, das sie sich jahrelang verboten hatte. Sie aß es einfach. Ohne schlechtes Gewissen. Das klingt klein, aber für Wiebke war es riesig.
Was Wiebke heute anders macht
Heute isst Wiebke, worauf sie Lust hat. Ohne vorher zu rechnen. Ohne es danach zu bereuen. Das klingt so selbstverständlich, aber für jemanden, der jahrelang jeden Bissen kontrolliert hat, ist das alles.
Sie beschreibt es so: Früher kreisten ihre Gedanken ständig ums Essen. Was darf ich? Was darf ich nicht? Habe ich heute schon zu viel gegessen? Dieser Lärm im Kopf ist weg.
Ich habe sie gefragt, was ein leichtes Leben für sie bedeutet. Ihre Antwort: Einfach leben können. Dinge machen, worauf sie Lust hat. Nicht ständig überlegen, was andere denken. Essen, ohne sich Gedanken zu machen.
Das ist keine Perfektion. Wiebke hat nicht plötzlich ein makelloses Leben. Aber sie hat etwas viel Wichtigeres, nämlich Freiheit. Die Freiheit, sich ein Brot zu schmieren, wenn sie Hunger hat. Die Freiheit, Fischstäbchen zu essen, weil sie sich danach fühlt. Die Freiheit, einfach zu leben.
Wiebkes Veränderung auf einen Blick
Hier nochmal zusammengefasst, was sich für Wiebke verändert hat:
| Vorher | Nachher |
|---|---|
| Tägliches Wiegen, um Kontrolle zu behalten | Keine Waage mehr, Körpergefühl statt Zahl |
| Jede Kalorie in der App getrackt | Essen nach Hunger und Lust |
| Wusste auswendig, wie viel Kalorien die LM haben | Isst, ohne zu rechnen |
| Kohlenhydrate waren ein absolutes No-Go | Nudeln kochen und Brot schmieren ist normal |
| Zu Hause niemals „verbotene“ Lebensmittel | Fischstäbchen mit Gewürzketchup ohne Schuldgefühle |
| Abends alleine: Essanfälle und Kontrollverlust | Abends entspannt essen können |
| Danach Ausgleich durch Sport oder Erbrechen | Kein Ausgleichen mehr nötig |
| Gedanken kreisten ständig ums Essen | Der Lärm im Kopf ist weg |
| Scham und Selbstverurteilung | Selbstakzeptanz: „Ich bin wichtig“ |
| Dachte, sie muss es alleine schaffen | Weiß, dass Hilfe holen Stärke ist |
Wiebkes Botschaft an Dich
Am Ende unseres Gesprächs habe ich Wiebke gefragt, was sie anderen Frauen mitgeben würde, die gerade in der gleichen Situation stecken. Das hier sind ihre Worte:
„Es ist nicht schlimm, eine Essstörung zu haben. Ihr müsst Euch dafür nicht schämen. Wichtig ist, dass man den Schritt macht und sich Hilfe sucht, bevor man noch tiefer hineinrutscht. Je länger man wartet, desto länger ist auch der Weg zurück.“
Was ihr besonders geholfen hat, war ein neuer Glaubenssatz. Früher dachte sie immer, sie sei nicht wichtig und zu kompliziert. Im Coaching haben wir gemeinsam an diesen Glaubenssätzen gearbeitet. Heute sagt sie sich: Ich bin wichtig. Und ich bin nicht kompliziert. Es klingt vielleicht einfach. Doch es wirklich zu glauben, ist schwer.
Wiebke sagt heute, dass sich Hilfe zu holen das Beste war, was sie je gemacht hat. Nicht das Einfachste. Aber das Beste.
Dein erster Schritt muss nicht perfekt sein
Wiebkes Geschichte zeigt etwas Wichtiges: Der erste Schritt muss nicht durchdacht sein. Er muss nicht mutig aussehen. Er kann aus einer Verzweiflung heraus passieren, mit einer leeren Schoko-Bons-Tüte neben sich.
Was zählt, ist, dass Du ihn machst.
Vielleicht erkennst Du Dich in Wiebkes Geschichte wieder. Der Kreislauf aus Kontrolle und Kontrollverlust. Die Scham am nächsten Morgen. Der Gedanke, dass Du das alleine schaffen musst.
Du musst nicht.
Es ist okay, Dir Hilfe zu holen. Es ist okay, nicht mehr alleine damit zu kämpfen. Und es ist okay, wenn Deine erste Nachricht an mich oder wen auch immer nicht perfekt formuliert ist. Die ehrlichsten sind es selten.
Das hier ist Dein Weg. Ich kann Dich begleiten, wenn Du bereit bist.
Wenn Du spürst, dass es Zeit ist, dann schreib mir. Egal wie. Oder buche Dir direkt ein kostenfreies Kennenlerngespräch. Wir schauen gemeinsam, wo Du stehst und was für Dich der nächste Schritt ist.
Liebe Grüße Deine Janina
P.S. Du möchtest das ganze Gespräch mit Wiebke hören? Im Podcast erzählt sie ihre Geschichte in ihren eigenen Worten.
Hier anhören →
„Der erste Schritt erfordert nicht, dass du den ganzen Weg siehst. Nur dass du losgehst.“
Martin Luther King Jr.
Quellenverzeichnis des Artikels:
Devoe, D. J., Han, A., Anderson, A., Katzman, D. K., Patten, S. B., Soumbasis, A., Flanagan, J., Paslakis, G., Vyver, E., Marcoux, G., & Dimitropoulos, G. (2022). The impact of the COVID-19 pandemic on eating disorders: A systematic review. International Journal of Eating Disorders, 56(1), 5-25. https://doi.org/10.1002/eat.23704
Levinson, C. A., Fewell, L., & Brosof, L. C. (2017). My Fitness Pal calorie tracker usage in the eating disorders. Eating Behaviors, 27, 14-16. https://doi.org/10.1016/j.eatbeh.2017.08.003
