Quasi-Recovery – Noch nicht angekommen, aber so viel geschafft

17.07.2022

Bist Du komplett geheilt oder steckst Du noch in der Quasi-Recovery? Dies ist Thema des heutigen Artikels. Dazu schauen wir uns einmal an, was überhaupt die Quasi-Recovery ist und was es bedeutet, komplett geheilt zu sein. Eine weitere spannende Frage in diesem Zusammenhang ist auch, ob es für jeden möglich ist, komplett zu heilen.

Was ist die Quasi-Recovery?

Der Begriff ist in der „Recovery-Szene“ entstanden und beschreibt einen Schwebezustand zwischen Essstörung und Heilung. Das heißt Du bist auf der einen Seite nicht mehr komplett in der Essstörung gefangen wie zum Start Deiner „Recovery“. Auf der anderen Seite führst Du allerdings noch kein Leben in Freiheit. Das heißt Du bist noch nicht komplett geheilt.

Also es kann zum Beispiel sein, dass Du im „Normalgewicht“ bist und wieder regelmäßig isst. Vielleicht hast Du Dich auch schon den meisten Fear Foods gestellt und lebst nicht mehr so restriktiv wie früher. Dies ist schon einen Riesenerfolg und wenn Du es so weit geschafft hast, kannst Du stolz auf Dich sein. Doch nur weil Du gerade die unterste Stufe des Normalgewichts erreicht hast, bist Du nicht komplett geheilt. Jeder Körper hat ein individuelles Wohlfühlgewicht, bei dem er optimal funktioniert. Dies ist nicht einfach die unterste Stufe des Normalgewichts nach dem BMI, sondern individuell. Daher kann dies noch ein Anzeichen sein, dass du weiter an Dir arbeiten müsstest, um vollständig zu heilen.

Ein anderes Anzeichen, dass Du noch nicht ganz aus den Restriktionen raus bist, kann zum Beispiel sein, dass Du Dir ein „Zielgewicht“ gesetzt hast, welches Du nicht überschreiten darfst. Je näher du diesem Zielgewicht kommst, desto mehr spürst Du vielleicht, wie Dich eine innere Panik überkommt. Diese Panik ist ein Hinweis Deines Unterbewusstseins auf eventuelle emotionale Themen, die noch bearbeiten werden dürfen. Sofern Du Dich diesen Themen nicht stellst, wird die Panik sich nicht auflösen.

Weitere Beispiele für die Quasi-Recovery

Darüber hinaus sind weitere Anzeichen einer Quasi-Recovery, dass Du feste Regeln beim Sport und beim Essen hast. Dies kann sich zum Beispiel im Bereich Sport so äußern, dass Du Dein Sport zwar reduziert hast, jedoch trotz Krankheit ein Minimal-Programm für Dich Pflicht ist.

Im Bereich der Ernährung kann es sein, dass Du nicht außerhalb von festen Essenszeiten essen kannst und zum Beispiel Dein Frühstück nur zwischen 8 Uhr und 9 Uhr isst. Vielleicht kannst Du auch schon wesentlich mehr essen als zu Deinen schwierigeren Zeiten, aber vielleicht unterteilst Du noch in gute und schlechte Lebensmittel?

Andererseits kann eine Ernährungsweise wie ketogen vorgeschoben werden, um keine Kohlenhydrate mehr zu essen. So wirst Du vielleicht im außen oft als gesundheitsbewusst und diszipliniert wahrgenommen. Doch innerlich fühlt es sich nicht gut an. Sofern es sich nach Druck und Zwang anfühlt, sind dies eindeutige Anzeichen, dass Du etwas kompensierst. Dieses restriktive Verhalten zeigt Dir, dass es noch etwas zu bearbeiten gibt auf dem Weg zur kompletten Heilung.

Doch hierzu möchtest Du vielleicht erst einmal wissen, wann Du überhaupt geheilt bist?

Wann bin ich denn komplett geheilt?

Wir haben nun einen Eindruck davon gewonnen, was eine Quasi-Recovery ist. Doch was ist denn überhaupt das Ziel und wann kann man von Heilung sprechen?

Carolin Costin definiert eine vollständige Heilung wie folgt:

Being recovered to me is when the person can accept his or her natural body size and shape and no longer has a self destructive or unnatural relationship with food or exercise.
When you are recovered, food and weight take a proper perspective in your life and what you weigh is not more important than who you are, in fact, actual numbers are of little or no importance at all.
When recovered, you will not compromise your health or betray your soul to look a certain way, wear a certain size or reach a certain number on a scale.“ (Quelle)

Also auf Deutsch bedeutet dies so viel wie: „Eine Heilung liegt vor, wenn eine Person ihr natürliches Körpergewicht und ihre individuelle Körperform akzeptieren kann und keine selbstzerstörerische oder unnatürliche Beziehung zum Essen oder Sport hat.

Darüber hinaus nehmen das Essen und Körpergewicht nach der Heilung wieder eine untergeordnete Rolle im Leben ein. Es ist für Dich wichtiger, wer Du bist, als was Du wiegst.

Du wirst nach der Heilung nicht mehr Deine Gesundheit aufs Spiel setzten, Dein Wahres ich oder Deine Seele verraten nur um eine bestimmte Kleidergröße zu tragen oder eine bestimmte Zahl auf der Waage zu erreichen.“

Ich denke, diese Definition trifft es gut und dies ist ein Ziel, das aus meiner Sicht für jede zu erreichen ist.

Quasi-Recovery gut oder schlecht?

Ist es nun schlecht, wenn ich noch in der Quasi-Recovery stecke? Pauschal ist so etwas nicht zu beantworten, da es immer auf die individuelle Situation der Person ankommt. Allerdings gibt es ein paar Risiken, die eine Quasi-Recovery mit sich bringt.

Da in der Quasi-Recovery immer noch Verhaltensweisen existieren, die ihren Ursprung in der Essstörung haben. Diese Verhaltensweisen werden in diesem Zustand vielleicht nicht mehr so ausgelebt, jedoch sind sie immer noch vorhanden. Daher besteht immer noch die Möglichkeit, dass sich diese wieder verstärken und Betroffene zurück in die Essstörung rutschen.

Oftmals ist dies ein schleichender Prozess. Das heißt, gegen externe Trigger sind wir im Zustand der Quasi-Recovery eventuell noch nicht gut genug gerüstet. Dadurch kann es passieren, durch externe Stressoren nach und nach wieder zu den bekannten negativen Verhaltensmustern zurückzukehren.

Dies passiert, falls wir noch nicht vollständig geheilt sind und unsere neuen Muster noch nicht stark genug sind. Dann greifen wir auf die alten und tief in uns verwurzelten Verhaltensmuster zurück. So entsteht dann ein schleichender Prozess raus aus der Quasi-Recovery zurück in die Essstörung.

Verschiebst Du Deine Essstörung?

Bist Du bereit, Deine Essstörung komplett loszulassen? Dies ist die wichtigste Frage und solange Du diese nicht mit Ja beantwortest, wirst Du auch nicht heilen. Damit meine ich ein ehrliches Ja und nicht eins, bei dem Du Dir selbst nur etwas vormachst.

Ich meine nach außen den Schein wahren und ein Leben führen, in dem niemand Dein Problem mit dem Essen auffällt, weil Du Deine sicheren Lebensmittel hast und „gesundheitsbewusst“ bist, ist keine Heilung, sondern nur Verdrängung. Da verschiebt sich Deine Krankheit doch nur. Solange Du nicht ohne feste Ernährungspläne, Kalorienzählen oder Essens Zeiten auskommst, bist Du nicht vollständig geheilt.

„Ich zähle meine Kalorien nur damit ich genug esse. Außerdem esse immer morgens um 8 Uhr, damit ich genug esse“. Wirklich? Vielleicht machst Du es nur, weil es Dir Sicherheit gibt und Du Dir etwas vormachst?

Dies ist keine Pauschal Aussage, die auf jede zutrifft. Es ist immer eine individuelle Betrachtung nötig.

Jedoch habe ich das Gefühl, dass viele nicht bereit sind, sich ihren tiefsten Ängsten zu stellen und sich einmal selbst wirklich zu fragen, wozu ihnen die Essstörung dient. Solange dies nicht passiert und der Fokus weiter auf dem Essen liegt, solange ist keine Heilung möglich.

Was kannst Du tun, wenn Du in der Quasi-Recovery bist?

In einem ersten Schritt kannst Du Dir zuerst einmal klar machen, was Du bisher schon erreicht hast. Du kannst Dich einmal zurückerinnern an den Beginn Deiner Recovery. Hättest Du damals gedacht, dass Du es so weit schaffen kannst? Du solltest stolz sein auf Dich.

In einem nächsten Schritt kannst Du Dich noch einmal zurückerinnern, warum Du die Essstörung hinter Dir lassen und endlich vollständig heilen wolltest. Indem Du Dir dieses warum noch einmal vor Augen führst, kannst Du neue Kraft für Deine restliche Reise schöpfen.

Zum Schluss ist es wichtig, Deine verbleibenden emotionalen Themen, Ängste, Verhaltensweisen und Gedanken aufzuarbeiten. Die Quasi-Recovery ist Dein Zeichen, dass es noch etwas gibt, wo Du hinschauen darfst. Falls Du den Mut aufbringen kannst, Dich Deinen dunkelsten Ängsten zu stellen, dann wirst Du am Ende mit der vollständigen Heilung beschenkt.

Davor kannst Du die Ressourcen nutzen, die Dir auf dem bisherigen Weg schon sehr gut geholfen haben. Anderseits kannst Du Dir auch einen neuen Impuls holen durch einen anderen Therapeuten oder einen Coach. Falls Du möchtest, kannst Du Dich auch gerne an mich wenden und ich unterstütze Dich auf Deinem Weg zur vollständigen Heilung.

Liebe Grüße,

Deine Janina

„Manchmal muss man erst den falschen Weg gehen, um den richtigen zu finden.“

unbekannt

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