Kennst Du dieses Gefühl, wenn Dein Körper sich verändert und Du plötzlich in keine Deiner Klamotten mehr passt? Wenn jeder Blick in den Spiegel Panik auslöst und Du Dich fragst: „Hört diese Zunahme jemals auf?“ Du bist nicht allein. Viele Frauen in der Recovery durchleben genau diese Ängste und Unsicherheiten.
Die Gewichtszunahme während der Heilung macht einfach Angst. Selbst wenn Du rational weißt, dass sie notwendig ist. Denn da ist dieser Teil in Dir, der bei jedem Kilo in Panik verfällt. Vielleicht zweifelst Du sogar daran, ob Du jemals wieder ein entspanntes Verhältnis zu Deinem Körper haben wirst.
Ich kenne diese Gefühle nur zu gut, denn auch ich bin diesen steinigen Weg gegangen. Dabei habe ich sowohl schmerzhafte Rückschläge als auch wichtige Erkenntnisse gesammelt. In diesem Artikel teile ich meine persönlichen Erfahrungen und zeige Dir, wie ich gelernt habe, der Zunahme zu vertrauen und meine Ängste zu überwinden. Zusätzlich erfährst Du konkrete Strategien, die mir aus der Panik herausgeholfen haben, selbst an den schlimmsten Tagen.
Mein Weg durch die Zunahme
Als ich das erste Mal aus der Magersucht herauskommen wollte, wusste ich überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Es gab damals noch keine Blogs, keine Podcast-Folgen, nichts. Ich war komplett ahnungslos und allein mit dem, was in meinem Körper passierte.
Plötzlich hatte ich dann diesen unbändigen Hunger. Heute weiß ich, dass es der „extreme Hunger“ war, aber damals? Ich dachte, ich würde verrückt werden. Ich konnte einfach nicht mehr aufhören zu essen. Und das Gewicht? Das schoss nur so in die Höhe. Kilo um Kilo, Woche für Woche. (Die wissenschaftliche Grundlage für dieses Phänomen wurde bereits 1944 in der berühmten Minnesota Starvation Study von Ancel Keys gelegt. Die Studie zeigte, dass Menschen nach Phasen der Unterernährung einen intensiven, scheinbar unstillbaren Hunger entwickeln. Dies ist eine natürliche und notwendige Reaktion des Körpers auf vorherige Restriktion.)
Was Recovery eigentlich bedeutet, das habe ich erst viel später verstanden. Recovery ist nicht nur, dass Du wieder mehr isst. Es geht um so viel mehr. Dein Körper muss sich erholen, Dein Hormonhaushalt muss sich wieder einpendeln, Deine Organe müssen heilen. Das ist die physische Genesung. Aber da ist auch noch die psychische Seite. All die Glaubenssätze, die Ängste, die negativen Gedanken über Deinen Körper und das Essen, damit musst Du auch klarkommen. [Studien zeigen, dass bei manchen Menschen die psychische Heilung hinter der körperlichen Gewichtswiederherstellung zurückbleibt. Dies ist ein Phänomen, das die Angst vor der Zunahme verstärken kann, aber Teil des normalen Recovery-Prozesses ist.]
Damals bin ich komplett überfordert gewesen. Niemand hat mir erklärt, was passiert ist. Niemand hat mir gesagt, dass diese Zunahme normal ist, dass mein Körper das braucht. Stattdessen bin ich in Panik verfallen und direkt in die Bulimie gerutscht. Über zehn Jahre lang.
Mein größter Fehler war, dass ich mir damals keine Unterstützung geholt habe. Heute weiß ich, wie wichtig professionelle Hilfe ist. Daher hole Dir unbedingt Unterstützung auf Deinem Weg.
Warum die Zunahme in der Recovery so herausfordernd ist
Das Problem bei der Zunahme ist nicht nur das Gewicht an sich. Es sind all die Gedanken und Gefühle, die damit hochkommen. Du stehst da mit Deinen irrationalen Ängsten und denkst Dir: „Bin ich verrückt? Warum macht mir das so Angst?“
Aber Du bist nicht verrückt. Diese Ängste entstehen durch jahrelange Prägungen. Durch Glaubenssätze wie „Dünn sein ist gut“ oder „Kontrolle über mein Gewicht macht mich wertvoll“. Diese Überzeugungen sitzen tief. Die lassen sich nicht mal eben so wegdenken. (Aktuelle Forschung bestätigt, dass nach dem Refeeding bei restriktiven Essstörungen anhaltende Veränderungen in der Hunger- und Sättigungswahrnehmung auftreten können. Dies erklärt die Angst vor der Zunahme wissenschaftlich.
Dazu kommen Selbstzweifel. Du zweifelst an Dir, an Deinem Körper, an allem. „Kann ich meinem Körper überhaupt vertrauen? Was, wenn er mich im Stich lässt?“ Diese Unsicherheit macht jedes zusätzliche Kilo zu einem emotionalen Drama.
Und dann ist da noch die körperliche Seite. Dein Körper verändert sich. Alles fühlt sich anders an. Die Hosen kneifen, die Oberteile spannen. Nichts passt mehr, so wirst Du ständig damit konfrontiert.
Bei mir war das besonders hart. Ich habe in kurzer Zeit richtig viel zugenommen. Plötzlich hatte ich einen kleinen Bauch, den ich vorher nie gehabt hatte. Ich konnte mich nicht mehr in meinen Klamotten verstecken. Jede Berührung, jeder Blick in den Spiegel hat mich daran erinnert, wie sehr sich alles verändert hat.
Das ist normal, aber es ist trotzdem schwer zu ertragen. Vor allem, wenn Du keine Ahnung hast, warum das passiert und wie lange es noch dauert.
Die größten Ängste rund um die Zunahme
„Hört das jemals auf?“ Das war die Frage, die mich am meisten gequält hat. Jeden Tag auf die Waage zu schauen und zu sehen, wie die Zahlen immer weiter nach oben gehen. Woche für Woche, Monat für Monat. In meinem Kopf hatte ich dieses Bild, das ich einfach immer weiter zunehme, ohne Ende.
Diese Angst ist so irrational, aber sie fühlt sich trotzdem real an. Du denkst Dir: „Was, wenn mein Körper vergessen hat, wann er aufhören soll? Was, wenn ich einfach immer dicker werde?“ Besonders schlimm war es, wenn ich mal ein bisschen mehr gegessen hatte. Dann war ich mir sicher, dass ich am nächsten Morgen wieder zwei Kilogramm mehr wiegen würde.
Das andere große Thema war die Kontrolle. Als ich bulimisch war und mich übergeben habe, hatte ich das Gefühl, zumindest etwas steuern zu können. Ich konnte das Essen nicht drinnen behalten, weil ich es einfach nicht einschätzen konnte. Die Angst war zu groß.
Sich dann zu entscheiden, das nicht mehr zu machen, sich nicht mehr zu erbrechen, das war wirklich hart. Ich hatte das Gefühl, völlig die Kontrolle zu verlieren. Aber weißt Du was? Je mehr ich merkte, dass das System funktioniert, dass mein Körper weiß, was er tut, desto einfacher wurde es.
Es führt leider kein Weg daran vorbei. Du musst diesen Schritt gehen und Dir trauen. Aber Du kannst kleine Schritte machen. Du musst Dich nicht überfordern. Mehr dazu im nächsten Absatz.
Praktische Strategien für eine gesunde Zunahme
Um die Angst vor der Zunahme zu verlieren, musst Du ganzheitlich arbeiten. Es geht nicht nur um das Essen. Du darfst auch an Deinen Glaubenssätzen arbeiten, an Deinen Ängsten, an Deinem Selbstwertgefühl. Aber parallel dazu kannst Du auch ganz praktisch etwas tun.
- Regelmäßige Mahlzeiten einführen:Wenn Du nie regelmäßig gegessen hast, wenn Du sehr restriktiv warst, dann hilft Dir erstmal ein Plan. Damit kommst Du in diese Regelmäßigkeit des Essens rein. Das stabilisiert Deinen Blutzuckerspiegel, verhindert Heißhungerattacken und gibt Deinem System Sicherheit.
- Alle Nährstoffe abdecken: Dein Körper hat ewig gelitten. Hier das Paradox: Du hast Angst vor „ungesunder“ Ernährung, aber die Essstörung selbst ist das Ungesündeste. Verbiete Dir nichts. Also iss ruhig Nutella und Croissants. Aber parallel dazu versorg Deinen Körper mit Kohlenhydraten, Proteinen, gesunden Fetten, Obst und Gemüse.
- Sport und Bewegung überprüfen: Schau ehrlich auf Deine Einstellung zum Sport. Wenn Du merkst, dass es nicht gesund ist, mach eine Pause. Also, wenn Du Dich ständig fragst: „Wie viele Kalorien verbrenne ich?“ Anstatt „Macht mir das Spaß?“ Dann ist es vielleicht Zeit für eine Pause. Du denkst vielleicht: „Aber dann nehme ich ja noch mehr zu.“ Aber es geht ums Vertrauen. Je mehr Du auf Deinen Körper hörst, desto weniger Angst vor der Zunahme wirst Du haben.
- Hol Dir professionelle Unterstützung: Mein größter Fehler war, dass ich den ersten Versuch allein durchgezogen habe. Die Unterstützung hat später alles verändert. Such Dir Unterstützung, die zu Dir passt. Das kann zum Beispiel ein Coaching, eine Therapie, eine Selbsthilfegruppe oder eine Klinik sein. Du musst diesen Weg nicht allein gehen.
Der ganzheitliche Ansatz
Die praktischen Tipps sind wichtig, aber sie sind nur ein Teil des Puzzles. Wenn Du wirklich Deine Angst vor der Zunahme überwinden willst, musst Du tiefer gehen.
An Deinen Glaubenssätzen arbeiten: Diese Sätze wie „Dünn ist schön“ oder „Ich bin nur wertvoll, wenn ich schlank bin“ – die sitzen tief. Die hast Du nicht mal eben so entwickelt. Das sind jahrelange Prägungen. Aber Du kannst sie hinterfragen und neue, gesündere Überzeugungen entwickeln. Zum Beispiel kannst Du ja mal anfangen und Dich folgendes fragen. „Woher kommt dieser Gedanke? Ist das wirklich meine Überzeugung oder die der Gesellschaft?“
Dein Selbstwertgefühl stärken: Das ist ein großer Punkt. Du musst lernen, Dich zu feiern, aber nicht nur dann, wenn Du abgenommen hast. Feiere Deine Fortschritte unabhängig vom Gewicht. Hast Du heute ohne Angst gegessen? Super! Bist Du eine Runde spazieren gegangen, weil es Dir gut getan hat und nicht aus Zwang? Fantastisch!
Je mehr Du zu Dir selbst findest, je mehr Du wieder zur Intuition kommst, desto leichter wird es. Dann hörst Du wieder auf Deinen Körper. Und wenn Du auf Deinen Körper hörst, dann weißt Du auch, dass Du keine Angst vor der Zunahme haben musst. Denn Dein Körper weiß, was er tut.
Ins Vertrauen kommen: Der Schlüssel zur Heilung
Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, dass es ums Vertrauen geht. Vertrauen in Deinen Körper, in den Prozess und in Dich selbst.
Ich weiß, das klingt erstmal abstrakt. Wie sollst Du Deinem Körper vertrauen, wenn er Dir jahrelang „falsche“ Signale gesendet hat? Wenn er Dir Hunger gegeben hat, obwohl Du doch abnehmen wolltest?
Doch Dein Körper hat Dir nie falsche Signale gesendet. Du hast nur gelernt, sie zu ignorieren oder falsch zu interpretieren. Der extreme Hunger? Das war Dein Körper, der versucht hat, sich zu reparieren. Die Gewichtszunahme? Das war Dein Körper, der endlich wieder funktionieren konnte.
Je mehr ich das verstanden habe, desto einfacher wurde es für mich. Ich habe gemerkt, dass mein Körper nicht gegen mich arbeitet. Mein Körper arbeitet für mich und er will, dass es mir gut geht.
Das Vertrauen kommt nicht von heute auf morgen. Es ist ein Prozess. Du machst einen kleinen Schritt, sammelst eine positive Erfahrung und machst den nächsten Schritt. So baust Du Dir Schritt für Schritt eine neue Beziehung zu Deinem Körper auf.
Und das Schöne daran ist, je mehr Du Deinem Körper vertraust, desto weniger Angst hast Du vor der Zunahme. Denn Du weißt, dass Dein Körper weiß, was er tut. [Neurowissenschaftliche Studien belegen, dass sich das Gehirn während der Gewichtswiederherstellung nach einer Essstörung erstaunlich schnell regeneriert – ein Beweis dafür, dass der Körper tatsächlich „weiß, was er tut“ und zur Heilung fähig ist.]
Du bist nicht allein auf diesem Weg
Falls Du gerade Angst vor der Zunahme hast, bist Du nicht allein. Viele Frauen durchleben genau das, was Du durchlebst. Diese Ängste, diese Zweifel, das ist normal und gehört zum Prozess dazu.
Aber es muss nicht so schwer sein, wie es bei mir war. Du kannst von meinen Tipps und aus meinen Fehlern lernen. Der Weg aus der Essstörung ist nicht einfach, aber er ist möglich. Ich bin ihn gegangen und viele andere haben es auch geschafft.
Ich denke heute gar nicht mehr über mein Gewicht nach. Ich vertraue meinem Körper, esse intuitiv und bin frei. Das kannst Du auch schaffen. Überlege Dir heute noch, welchen kleinen Schritt Du gehen kannst.
Falls Du Dir denkst: „Das klingt gut, aber wie soll ich das schaffen?“ Dann lass uns reden. In einem kostenfreien Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, wo Du gerade stehst und welcher nächste Schritt für Dich Sinn ergibt.
Du bist stärker, als Du denkst. Und Du verdienst ein Leben in Freiheit.
Liebe Grüße, Deine Janina
„Du bist mutiger, als Du glaubst, stärker, als Du scheinst, und klüger, als Du denkst.“
A.A. Milne
