Liebesbrief an meinen Körper

10.10.2022

In der heutigen Folge geht es um unseren Körper. Ich erzähle euch einiges darüber, was euer Körper alles leisten kann. Dies soll euch einmal verdeutlichen, was für ein wahnsinniges Glück ihr habt, dass ihr euren Körper überhaupt habt und zwar genauso wie er ist. Denn trotz all der vermeintlichen Mängel, die ihr glaubt an eurem Körper zu sehen, ist er ein wahres Meisterwerk der Natur. Ich hoffe, dass euch diese Folge ein bisschen “wachrütteln” kann und ihr ein bisschen verstehen könnt, dass ihr ein riesiges Glück habt, in eurem Körper zu leben. Außerdem möchte ich, dass ihr versteht, dass euer Körper nur euer Bestes möchte. Falls Du denkst, er möchte Dir schlechtes, frage Dich, ob Du ihn vielleicht einfach nur nicht richtig verstehst oder verstehen willst?

Zusätzlich möchte ich mit euch den nachfolgenden Liebesbrief an meinen Körper mit euch teilen. Ich habe ihn hier schon einmal komplett eingefügt für diejenigen, die lieber nur lesen.

Ich würde mich freuen, wenn Du reinhören würdest.

Bis gleich, Deine Janina.

Nachfolgend der Liebesbrief an meinen Körper:

Mein lieber Körper,

ich weiß, dass es nicht immer einfach mit mir war. Im Gegenteil, ich war jahrelang gemein zu Dir. Ich habe Dich verachtet, ich habe Dich gehasst und ja ich wollte Dich nicht. Ich habe mir immer einen anderen Körper gewünscht.

Doch mittlerweile weiß ich, wie sehr ich Dir danken kann, wie sehr Du immer für mich da warst, obwohl ich Dich so gequält habe.

Ich habe Dich nicht schlafen lassen, obwohl Du so müde warst, ich habe Dir nichts zu essen gegeben, obwohl Du so hungrig warst, ich wollte Dir keine Ruhe geben, obwohl Du so am Ende warst, ich habe das Essen wieder erbrochen, wenn der Magen zu voll war, kurzum gesagt, ich habe immer genau so gehandelt, wie Du es nicht gebraucht hättest. Und das tut mir leid.

12 Jahre lang warst Du mein größter Feind.

Heute weiß ich, dass Du das niemals warst und auch niemals sein wirst. Denn ich habe verstanden, dass Du immer nur mein Bestes wolltest. Du wolltest, dass es mir gut geht, dass ich glücklich werde, doch ich habe Dir nicht geglaubt und vor allem eins. Nicht vertraut. Ich hatte Angst davor, dass Du es nicht ernst meinen könntest, dass Du mich verarschen möchtest, dass du mir einfach eins auswischen wolltest.

Ich habe Deine Signale einfach nicht verstanden. Warum wolltest Du ständig, dass ich etwas esse? Warum wolltest Du ständig, dass ich mich ausruhe oder schlafe? Warum? Es hat einfach nicht gepasst und deswegen dachte ich auch, dass ich Dir nicht vertrauen kann. Ich dachte, dass Du mich wieder dick haben wolltest, dass Du möchtest, dass ich zunehme, um so wieder weniger Aufmerksamkeit zu bekommen, so dass sich wieder niemand für mich interessiert.

Alle waren schöner und schlanker, nur Du nicht. Nur Du hattest diese unförmigen Beine und diesen Speck auf den Hüften. Ich habe es gehasst und wollte einfach nur, dass es weggeht. Und es ist weggegangen. Ich hatte irgendwann keinen Speck mehr und auch keine unförmigen Beine mehr. Warum musstest Du dann mit diesem unbändigen Hunger um die Ecke kommen? Hätte es nicht einfach so weitergehen können? Es war doch alles gut. Ich habe zwar etwas wenig gegessen, ja, aber ansonsten war doch alles gut. Warum musstest Du dafür sorgen, dass ich wieder zunehme?

In kürzester Zeit habe ich so viele Kilos zugenommen, ich bin damit nicht klargekommen.

Alles, was ich mir hart erarbeitete, war auf einmal weg. Auf einmal hatte ich wieder Speck und unförmige Beine. Der Hass wurde von Tag zu Tag größer und ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen, als mich zu übergeben. Ich hatte die Lösung gefunden. Du hast mich mit dem ständigen Hunger und der Zunahme provoziert, sodass ich für mich gar keine andere Wahl hatte. Ich musste so handeln.

Aber nach 10 Jahren Bulimie war ich einfach kaputt. Du hast Dich bemerkbar gemacht, indem ich keine Energie mehr hatte, während des Prozesses des Übergebens kam diese krasse Müdigkeit hoch, sodass ich dagegen kämpfen musste, dass Du nicht einschläfst. Du hast mir mit ständigen Halsschmerzen, aufgerissenen Händen, Müdigkeit und ständigen Bauchschmerzen signalisiert, dass es so nicht mehr weitergehen kann, dass das alles aufhören muss. Dass du keine Kraft mehr hast.

Aber ich wollte nicht auf dich hören, ich wollte es nicht, denn ich hatte Angst. Angst alleine zu sein, Angst mit Dir als unförmigen Körper klarkommen zu müssen, Angst davor ICH zu sein.

Und so sind wir schließlich in der Notaufnahme gelandet. Dir musste das Leben gerettet werden.

Über so viele Jahre hast Du mir Anzeichen geschickt, dass ich aufwachen soll, dass Du nicht mehr kannst, dass es einen anderen Weg gibt. Und du hast mir so viele Signale geschickt, dass ich Dir vertrauen kann.

Doch ich wollte und konnte nicht auf Dich hören.

Es tut mir leid, dass ich Dich in eine lebensgefährliche Situation gebracht habe, ich wollte das nicht und eins wollte ich ganz bestimmt nicht.

Dich verlieren.

Heute weiß ich, dass Du das nicht wolltest, Du wolltest mich einfach nur am Leben halten und dafür sorgen, dass ich wieder gesund werde, doch ich konnte und wollte Deine Signale auch damals nicht verstehen.

Seit dem Tag der Notoperation weiß ich Dich zu schätzen und seitdem kämpfe ich dafür, dass ich Dich endlich akzeptieren kann, dass Du zu mir gehörst, dass Du mein Freund wirst.

Niemals habe ich geglaubt, dass aus uns eine Freundschaft entstehen kann, doch mittlerweile kann ich sagen, dass genau das geschehen ist.

Du bist endlich mein Freund.

Die ganzen Jahre habe ich die Fehler bei Dir gesucht, doch Du bist überhaupt nicht der Fehler.

Nur durch Dich kann ich so unglaublich schöne Sachen erleben, kann ich lachen, glücklich sein, tanzen, Eis essen, Karussell fahren, laufen, gehen, Yoga machen, meditieren und noch so viel mehr.

Ohne Dich wäre ich nichts.

Und eins ist mir in den letzten Jahren ganz bewusst geworden.

Dinge kommen und gehen. Leute kommen und gehen.

Aber eins, was ich für immer haben werde. Das bist Du.

Danke, dass es Dich gibt.

Ich werde Dich ab sofort für immer beschützen.

Ich liebe Dich.

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