Weihnachten – 7 Tipps bei emotionalen Essattacken oder einer Essstörung

24.12.2021

Heute ist wieder Heiligabend. Die einen fiebern den ganzen Dezember auf diesen Tag hin. Während es für viele andere der schlimmste Tag im Dezember ist. Nun gut, zuerst möchte ich kurz darauf eingehen, warum Weihnachten gefeiert wird und wofür es steht. Im Christentum wird die Geburt von Jesus Christus an Weihnachten gefeiert. In Deutschland ist der Heiligabend am 24. Dezember der Haupt Tag des Weihnachtsfestes. Es wird häufig als Fest der Liebe bezeichnet und somit meist mit der Familie oder guten Freunden gefeiert.

Jetzt mal ehrlich sind „Fest der Liebe“, „Familie“, „Freunde“ oder „Geschenke“ die ersten Gedanken, die bei Dir hochkommen, wenn Du das Wort Weihnachten hörst? Da du diesen Artikel liest, sehr wahrscheinlich nicht. Wenn ich zurückdenke an die Zeit meiner Magersucht, meiner Bulimie oder meinen emotionalen Essattacken, löste das Wort Weihnachten Stress und Panik aus.

Es kamen Gedanken auf wie „Wann soll ich mich bewegen, wenn wir nur mit der Familie zusammensitzen?“ „Kommen wieder Kommentare, wenn ich etwas esse?“, „Bemerkt vielleicht jemand das ich viel zu viel esse“ oder „Warum müssen wir außerhalb meiner Essenszeit essen?“ Aufgrund dieser ganzen negativen Gedanken war kein Platz für etwas Positives. Ich konnte nicht verstehen, wie sich jemand auf diese Tage freuen konnte.

Warum ist Weihnachten bei emotionalem Essen oder Essstörung problematisch?

Essstörung und Weihnachten

Ich denke, an Weihnachten wird überall viel gegessen bzw. Essen nimmt einen großen zeitlichen Rahmen ein. Allein hierdurch gibt es viele schwierige Situationen für jemanden, der Unsicherheiten bezogen auf das Essen hat. Vielleicht bedeutet schon die Tatsache, das Du mit so vielen anderen zusammen isst Stress für Dich? Dies kenne ich noch sehr gut von früher. Ansonsten findest Du Dich vielleicht in den anderen Punkten wieder.

Nachfolgende Punkte sind oftmals große Stressoren:

  • Die Angst, dass andere die Menge oder Art der Lebensmittel kommentieren, die Du isst. Vielleicht streiten sich auch andere Familienmitglieder über Dein Essverhalten, weshalb Du Dich schuldig fühlst.
  • Mehrere Mahlzeiten am Tag z. B. Frühstück, Mittag, Tee und Kuchen und Abend essen, während Du sonst vielleicht nur einmal am Tag isst.
  • An Weihnachten gibt es viele Süßigkeiten und Plätzchen. Diese Lebensmittel sind von vielen als „Schlecht“ oder „ungesund“ gelabelt. Durch das Essen dieser Lebensmittel, um anderen Leuten ein gutes Gefühl zu geben, übergehst Du Dich selbst in diesem Moment.
  • Es wird versucht, Dich zu ermuntern, mehr zu essen oder es wird Enttäuschung von den Gastgebern geäußert, dass Du nur so wenig gegessen hast.
  • Die vielen Termine und das Gehetze von einem zu anderen Treffen stressen Dich.
  • Du fühlst Dich schlecht, weil Du merkst, das andere Leute nicht wissen, wie Sie mit Dir umgehen sollen oder sich Dir gegenüber „komisch“ verhalten.

Wie habe ich mich früher an Weihnachten und während der Weihnachtszeit verhalten?

Hätte ich am ersten Dezember einen Wunsch frei gehabt, dann hätte ich mir gewünscht, dass direkt der 01. Januar des nächsten Jahres ist. Geht es eigentlich noch jemandem so? Ich hätte mir dadurch am liebsten die komplette Weihnachtszeit erspart. Dadurch hätte ich mich wieder besser auf meine selbst auferlegten Regeln kümmern können. Diese waren in der Weihnachtszeit fast unmöglich einzuhalten. Hierdurch allein fühlte ich mich schon einfach elendig.

Daher begann ich in der vor Weihnachtszeit mein enorm hohes Sport Programm noch weiter zu steigern. Mein, zugegeben im Nachhinein, nicht sehr schlauer Plan war, im Voraus Kalorien zu verbrennen. Hierdurch wollte ich sicherstellen, dass ich Weihnachten nicht zunehme. Dies war in Zeiten meiner Magersucht totaler Quatsch. Allerdings war dies meine Vorsorge, damit ich an Weihnachten auch etwas essen konnte.

Außerdem habe ich mir genaue Regeln aufgestellt. Das hieß, es war genau geplant, was und wie viel ich essen darf. Durch diese Regeln erschuf ich die Illusion von Kontrolle. Wenn ich meine zuvor festgelegten Regeln nicht einhalten konnte, habe ich mich dafür bestraft. Die Bestrafung konnte entweder mit schrecklichen Worten mir selbst gegenüber sein oder körperliche Verletzungen, die ich mir selbst zufügte. Dieses Verhalten war nicht gut und am Ende fühlte ich mich nur noch schrecklicher.

Wie war Weihnachten für mich während meiner emotionalen Essattacken, Magersucht oder Bulimie?

Wie soll ich Dir es am besten erklären? Kurz gesagt war Weihnachten für mich das Fest der Panik. Ich habe mir einfach so einen großen Stress gemacht. Bereits in der vor Weihnachtszeit habe ich mir 1000 Gedanken gemacht. Dadurch war ich den ganzen Dezember nur gestresst. Natürlich gönnte ich mir in dieser Zeit keine Ruhe und nahm mir auch keine Zeit für mich und meine Bedürfnisse. Dies war eine Garantie dafür, dass es ist mir schlecht geht.

An Weihnachten selbst war es auch nicht besser. Während der Familientreffen versuchte ich mich zu verhalten, wie es von mir erwartet wurde. Doch trotzdem fühlte ich mich oftmals beobachtet beim Essen. Ich schämte mich in der Magersucht dafür, dass ich weniger aß, als andere und gleichzeitig hasste ich mich dafür, dass ich mehr aß als ich geplant hatte.

In der Bulimie war es für mich einfacher, den Schein zu wahren, da ich „normal“ mitessen konnte. Obwohl ich mich teilweise fragte, ob keiner merkt, was für riesige Mengen ich esse. Dass ich mich im Anschluss übergeben habe, wusste keiner aus meiner Familie. Wobei ich mich oft fragte, ob es nicht doch jemand mitbekommt. Danach war ich dann mit meinen Schuld- und Schamgefühlen allein. Ich fühlte mich allein, einsam und schrecklich.

Meine 7 Tipps für Weihnachten an Dich:

Damit es Dir nicht so schrecklich geht wie mir früher an Weihnachten, möchte ich Dir noch ein paar Tipps an die Hand geben. Diese Tipps würde ich rückblickend gerne der Janina von früher geben.

  • Trage das „Recovery Symbol“ wie in meiner Weihnachtschallenge beschrieben immer bei Dir. Wenn Du Dich schlecht fühlst, nimm es in Deine Hände und sage Dir: „Ich mach das gut und es wird alles gut“.
  • Konzentriere Dich an den Weihnachtstagen immer wieder auf Deine Atmung. Dadurch baust Du Stress ab und bist im Hier und Jetzt.
  • Wähle beim Weihnachtsessen ein für Dich „sicheres Lebensmittel“ aus. Zum Beispiel wenn es Kartoffeln, Rotkohl und Braten gibt und Rotkohl für Dich „sicher“ ist, dann nimm immer Rotkohl dazu.
  • Schicke mir eine Nachricht, wie Du Dich gerade fühlst und was Dich bedrückt. Durch diese Nachricht gibst Du Deinen Gefühlen Raum und allein dadurch tritt meist schon eine Besserung ein.
  • Wenn Du merkst, das es Dir in einem Moment alles Zuviel wird, gehe kurz an die frische Luft oder in ein anderes Zimmer, um durchzuatmen und Abstand zu bekommen.
  • Sorge Dich an Weihnachten um Dich und plane Zeit für eine Mediation, einen Spaziergang, eine Yoga-Session oder etwas anderes, was Dir Energie gibt ein.
  • Wer von Deinen Freunden und Familie weiß von Deiner Essstörung? Vertraue Dich dieser Person an und erzähle ihr, wie Sie Dich an Weihnachten unterstützen kann. So hast Du einen Verbündeten und fühlst Dich nicht allein.

Abschluss Worte

Die Tipps, die ich Dir hier gegeben habe, sind natürlich kein Allheilmittel und ist natürlich nicht abschließend. Picke Dir aus der Liste den Tipp der Dich als erstes anspricht und setzte diesen um. Danach kannst Du auch Weitere ausprobieren. Das wichtigste ist, das Du Dich hier nicht unter Druck setzt, es gibt kein richtig oder falsch probiere einfach aus, was für Dich am besten funktioniert.

Lass mich gerne wissen, was Dir an Weihnachten am besten geholfen hat und welche zusätzlichen Tipps Du noch hast.

 

Alles Liebe.

Deine Janina

„Weihnachten ist oft ein lautes Fest:
Es tut uns aber gut, ein wenig still zu werden, um die Stimme der Liebe zu hören.“

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